1. Region
  2. Kultur

Petrus scheint kein Shakespeare-Freund zu sein

Petrus scheint kein Shakespeare-Freund zu sein

William Shakespeare ist einer der größten Schriftsteller, von dem man allerdings immer noch nicht weiß, ob er es war, der seine meisterhaften Tragödien, Komödien, Historien und Gedichte geschrieben hat. Ihm widmete der Musikkreis Springiersbach einen ganzen Abend.

Bengel. Eigentlich sollte die "Shakespeare-Nacht" eine Veranstaltung im Freien werden. Die Bühne im traumhaft schönen Innenhof des Karmeliten-Klosters war schon aufgebaut und die Beleuchtung eingerichtet. Petrus hatte aber offensichtlich etwas dagegen und ließ es regnen. So musste kurzfristig umdisponiert und das Ganze in den romanischen Saal verlegt werden. Durchaus auch ein passendes Ambiente für Texte aus dem "Kaufmann von Venedig", "Hamlet" oder dem "Sommernachtstraum".
Gestaltet wurde der Abend von der Schauspielerin und Regisseurin Claudia Dylla, die in zweijähriger Arbeit das Textbuch mit den Shakespeare-Fragmenten und den überleitenden Kommentaren zusammengestellt hatte. Ihr zur Seite stand das Duo "Music for a while" mit der Sopranistin Heidrun Mathan und dem Lautenisten Klaus Theis sowie die Cellistin Angela Simons. Dieses Trio steuerte Musik der Shakespeare-Zeit mit Kompositionen von unter anderem Henry Purcell und John Dowland bei.
Dylla sagte den knapp 200 Besuchern, der Abend sei "genügend nur, um Appetit zu wecken". Dies aber gelang ihr gründlich. Sie wusste sowohl mit ihren Rezitationen als auch im Umgang mit ihrer Stimme auf teils sehr humorvolle Art Lust auf mehr zu machen. Und das trotz der meteorologisch bedingten Umstände, die ihr die Auftritte nicht erleichterten. Bedingt durch die Sitzordnung in U-Form war es zudem nicht einfach, alle Zuhörer zu erreichen - was ihr dennoch bestens gelang.
Der Akustik des romanischen Saales bekam die große Anzahl von Besuchern überhaupt nicht. Da wo sonst die Musiker auf Unterstützung hoffen können, konnte sich in diesem Fall nur sehr wenig entfalten, und der Glanz in Mathans Stimme, der zweifellos vorhanden war, kam nicht wirklich zum Tragen. Wohl aber wurde deutlich, dass sie mit ihrem Partner Theis ein eingespieltes Team ist, der ihr mit Laute und Theorbe ein verlässlicher Begleiter war.
Simons Part war leider der Schwächste des Abends. Zum einen hätte eine Gambe erheblich besser zur Musik dieser Epoche gepasst, zum anderen wurde sie mit ihrem vibratoschwangeren Spiel kaum den historischen Ansprüchen ihrer Partner gerecht. Trotz der Widrigkeiten zeugte der Applaus am Ende vom großen Erfolg des Abends. gkl