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Pfeife für Pfeife zum Klangkunstwerk

Am mobilen Orgelspieltisch mitten in der Konstantinbasilika: Gregor Hieke.TV-Foto: Martin Möller
Am mobilen Orgelspieltisch mitten in der Konstantinbasilika: Gregor Hieke.TV-Foto: Martin Möller
Trier. Es ist eine mühsame Kleinarbeit. Pfeife für Pfeife wird die Orgel in der Konstantinbasilika eingerichtet und dem Raum angepasst. "Intonation" heißt das Verfahren unter Fachleuten. Spätestens am 1. Advent muss die Arbeit erledigt sein. Dann wird die Orgel eingeweiht. Martin Möller

Trier. Die Kommunikation funktioniert per Babyfon. Mitten in die gigantische Halle der Konstantinbasilika hat die Orgelbaufirma Eule einen Spieltisch platziert. Da sitzt Orgelbauer Gregor Hieke, betätigt Registerschalter, drückt Tasten und horcht auf das akustische Ergebnis im Raum.
Dann gibt er, per Babyfon, Anweisungen an seinen Kollegen San Ook No. Der sitzt mitten im Orgelgehäuse und bearbeitet mit aller Sorgfalt Pfeife für Pfeife. Zurzeit feilt er am Register "Oktave Zweifuß". Was bedeutet: Dieses Register klingt zwei Oktaven höher als der normale Achtfuß, ist sozusagen zuständig für Helligkeit im Gesamtklang.
Dort, am Spieltisch und im Gehäuse, wiederholt sich zehn Stunden am Tag fast immer das gleiche Spiel. Hieke drückt die Taste, der zugehörige Ton kommt, und Hieke meldet per Babyfon: "Zu laut". Oder "zu leise". Dann vergrößert sein Kollege um Millimeter die Eingangsöffnung für die Luft am unteren Ende der Pfeife. Oder er verkleinert sie.
Werden Nebengeräusche durch die ausströmende Luft zu auffällig, muss zudem die Öffnung modifiziert werden, an der sich der Ton bildet. "Intonation" heißt das - ziemlich mehrdeutig, denn das Wort ist auch in anderen Musikbereichen schon vergeben. Das Handwerkszeug zu alledem ist höchst bescheiden: Meist genügen Hammer und Schraubenzieher.
Kühnste Erwartungen übertroffen


Hieke vergleicht ständig den Klang benachbarter Pfeifen und überprüft gelegentlich auch eine ganze Tonskala. Die Register sollen ausgewogen klingen, und charakteristisch außerdem. Basilika-Kantor Martin Bambauer formuliert es so: Intonation an der Orgel bedeute, "die optimale Balance der einzelnen Töne innerhalb eines Registers zu erreichen".
Das Instrument muss auf den Raum eingestellt werden, es muss dabei in sich homogen sein, es muss zudem ein eigenes Klangprofil haben, und gerade bei einem großen Instrument wie der neuen Basilika-Orgel muss der Klang der Register einerseits eigenständig sein, sich aber andererseits mit dem der übrigen Register mischen. Das ist offenbar gelungen. Bambauer, euphorisch: "Die Orgel übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Ihre Mischungsfähigkeit ist enorm. Man kann fast alles mit allem kombinieren. Und immer, auch wenn es laut wird, klingt das Instrument edel und ohne Gewaltsamkeit." Und noch etwas hat Bambauer entdeckt: "Die Basilika ist erstaunlich orgelgerecht." Die Vorzeichen stehen also günstig.
Ist eine Intonation eine Sache auf Zeit? "Nein", sagt Gregor Hieke. Und fügt unmissverständlich hinzu: "Sie ist die Grundeinstellung für das Leben der Orgel." Das bedeutet auch: Was jetzt versäumt wird, lässt sich nicht ohne weiteres wieder gutmachen. Grund genug für äußerste Sorgfalt. Zehn Stunden am Tag.
Wann sie fertig werden? Hieke antwortet lakonisch: "Am ersten Advent wird das Instrument eingeweiht." Spätestens dann muss die letzte Pfeife überprüft sein.
Extra

Orgel in der Trierer Konstantinbasilika: Erbaut von der Werkstatt Eule in Bautzen, 87 Register und 6006 Pfeifen, verteilt auf vier Manuale (Hauptwerk, Schwellwerk, Récit und Orchestral /Solo) und Pedal. Ein Hauptspieltisch und ein mobiler Spieltisch. Einweihung am 30. November 2014. mö