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Philharmoniker vom Theater Trier spielen Sommerserenaden im Brunnenhof

Kultur : Ein Orchester erfindet sich neu

Bei den Sommerserenaden im Trierer Brunnenhof treten die Philharmoniker wieder in voller Besetzung an.

Der Generalmusikdirektor überbrachte die freudige Nachricht höchstselbst. Jetzt, bei den Sommerserenaden im Brunnenhof, würden die Philharmoniker wieder in fast voller Besetzung antreten, verkündete Jochem Hochstenbach. Die mehrmonatige Durststrecke, in der Philharmoniker zum Beispiel bei der Feuerwehr Dienst taten, ist damit hoffentlich vorbei.

Und vielleicht gibt es für das Orchester jetzt die Chance, sich neu zu erfinden und neue Wege zu erproben – vielleicht mit kleineren Besetzungen, vielleicht mit Kammermusik.

Ganz ideal für eine sinfonische Besetzung sind die Verhältnisse im Brunnenhof sicherlich nicht. Die philharmonischen Streicher drängten sich etwas eng auf der kleinen Bühne.

Aber weil Holzbläser (links aus Zuhörersicht) und Blechbläser (rechts) die Streichergruppe klangvoll flankierten, stellte sich eine Art Stereo-Effekt und stellenweise sogar ein Surround-Erlebnis ein. Damit tat sich stilistisch eine erstaunliche Vielfalt auf.

Da konkurrierten und kooperierten farbenreiches Holz, kerniges Blech und flexible Saiteninstrumente. Und das Erstaunliche dabei war: Das Programm, das sich auf den ersten Blick ausnimmt wie eine bunte Mischung, erwies sich als erstaunlich geschlossene Einheit. Mit ihren profilstarken Interpretationen taten die Philharmoniker ein Übriges. Und die Moderation von Jochem Hochstenbach überbrückte alle stilistischen und akustischen Wechselfälle, wie sie sich bei einem bunt gemischten Programm einstellen können.

Und so kam es – nein, nicht zu einem großen Spannungsbogen. Eher breiteten die Philharmoniker ein Feld aus, in denen Kompositionen sehr unterschiedlicher Herkunft gleichberechtigt nebeneinanderstanden. Richard Strauss, Dvo­řák  und Johann Strauss junior. Gounod, Grieg, Fauré und Debussy – bei ihnen allen klang die Vielfalt mit, die das musikalische 19. Jahrhundert so reizvoll macht. Direkt nach dem Einstieg mit dem „Zarathustra“ von Richard Strauss setzte sich Händel mit seiner „Feuerwerksmusik“ dekorativ in Szene. Und das philharmonische Blech verband bei Giovanni Gabrielis Sonaten aus dem 17. Jahrhundert Klangpracht mit rhetorischer Beweglichkeit.

Und dann, einfach hinreißend, Janja Vuletic! Diese Mezzosopranistin stellte Glanzstücke auf die Bühne. Zwei „Folk Songs“, mit denen sich Avantgardist Luciano Berio wirkungsvoll auf ungewohntes Gebiet wagte, atmeten beispielhaft Deutlichkeit, Flexibilität und einen folkloristischen Tonfall. Und die „Träume“ aus Wagners Wesendonck-Liedern: Da nahm Vuletic ihre ganze sängerische Kraft und ihre wunderbar volle Tongebung zusammen für die herrlich erotische Tiefe dieser Musik, in der der „Tristan“ zum Greifen nah liegt. Und das Orchester fand dabei zu einem echten, dunkel-farbenreichen Wagner-Klang. Faszinierend!

Danach jedenfalls konnte nicht mehr allzu viel kommen. Immerhin brillierten die Blechbläser in der „Jurassic Park“-Suite von John Williams. Und Elgars „Pomp and Cicumstance Marches“ grüßte über den Kanal zu den Royals – allerdings in etwas anderer Fassung als gewohnt. Es folgte die unvermeidliche Zugabe, und dann wünschte Jochem Hochstenbach allen Anwesenden einen schönen, freien, unbelasteten Sommer. Wer wollte ihm da nicht zustimmen.

 Die Zuhörer genießen die Atmosphäre im Brunnenhof bei den Sommerserenaden des Trierer Theaters.
Die Zuhörer genießen die Atmosphäre im Brunnenhof bei den Sommerserenaden des Trierer Theaters. Foto: TV/Christoph Traxel

Weitere Sommerserenaden am 2. Juli und 9. Juli, jeweils 19.30 Uhr und am 4. Juli um 11 Uhr.