Philharmonische Perfektion

Nach dem halb verjazzten Auftakt zur neuen Konzertsaison waren die Trierer Philharmoniker unter István Dénes im Theater diesmal wieder auf gewohnterem Terrain. Und das mit einem auf seine Art nicht minder anspruchsvollen Programm.

Trier. Beschämend große Lücken im Publikum machten deutlich, dass zwei moderne Werke in einem Konzert für Viele offenbar immer noch eine Zumutung sind, obwohl es zwei überaus eingängige Stücke waren. Die Philharmoniker waren an diesem Abend von Anfang an in bester Form. Carl Maria von Webers erste Symphonie in C-Dur mag kein Meisterwerk der Gattung sein, verlangt dem Orchester aber einiges ab. István Dénes nahm das einleitende "Allegro con fuoco" rhythmisch streng und federnd - und gottlob nicht zu schnell, denn sonst wäre die rasante Coda bestimmt verunglückt. Kein Sonderapplaus gegönnt

Im schwierig zu gestaltenden "Andante" stach besonders die von Dénes einfühlsam geführte Solo-Oboe hervor. Schade, dass der Dirigent dem Solisten Dirk Andert am Schluss keinen Sonderapplaus gönnte. Wunderbar die Holzbläser im Trio des "Scherzos", und das "Presto" wurde zu einem virtuosen, teils auch humorvollen Finale. Olivier Messiaen schrieb sein Spätwerk "Un Sourire" ("Ein Lächeln") für großes Orchester zum 200. Todesjahr Mozarts 1991. Auch hier waren die Philharmoniker ihrer Aufgabe mehr als gewachsen. Duftig-zarte, schwebende Streicherklänge, über denen die Oboe oder die Klarinette ertönt, wechseln sich ab mit rhythmisch betonten Passagen. Das Werk ist fast durchgängig tonal geschrieben und endet in einem Dur-Akkord. Wie zu erwarten, war István Dénes mit dem Hauptwerk des Abends ganz und gar in seinem Element: dem 1944 uraufgeführten "Konzert für Orchester" seines großen ungarischen Landsmanns Béla Bártok. Indem er die fünf Sätze nahtlos ineinander übergehen ließ, gestaltete Dénes das Werk wie eine grandiose, fünfteilige Rhapsodie. Seine Interpretation war musikantisch und spielerisch, ohne jeden Verlust an Präzision. Im ersten Satz trumpften vor allem die Blechbläser auf, im zweiten die Holzbläser und im Finale die Streicher mit rasend schnellen Läufen. Ein Meisterwerk der Musik des 20. Jahrhunderts, dem die Philharmoniker auf virtuose Weise gerecht wurden. Lang anhaltender Applaus war der Dank der Zuhörer.

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