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Philharmonisches Orchester spielt im Brunnenhof

Konzert : Die etwas andere Premiere im Brunnenhof

Das Philharmonische Orchester Trier, seine Konzerte und seine Aussichten auf kommende Zeiten.

Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein Marionettentheater ohne Puppen. Mitten auf der stillgelegten Bühne im Trierer Theater stehen wohlgeordnet im Halbkreis einige Notenständer und Notenpulte. Der Aufbau diente einem ganz bestimmten Zweck – einer Aufnahme fürs das Internet. Philharmonische Musikerinnen und Musiker hatten sich zusammengefunden, um wenigstens virtuell in den Wohnzimmern präsent zu sein. Das gehörte zu den vielfältigen Aktivitäten der Orchestermusiker in einer Phase des Stillhaltens, von der niemand weiß, wie lange sie noch dauert. Dass auch der Film noch nicht im Netz steht, hat einen einfachen Grund. Da haben sich einfach neue Prioritäten eingestellt.

Die wichtigsten sind die anstehenden Sommerserenaden im Brunnenhof. GMD Jochem Hochstenbach hat dazu ein Programm aufgestellt, das abendlichen Musikgenuss in entspannter Atmosphäre, aber ohne künstlerische Einbußen möglich macht. Die Sommerserenaden, die am Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr im Brunnenhof stattfinden, versprechen jedenfalls musikalisches Niveau.

Hochstenbach hat bei der Programmgestaltung populistischen Verlockungen widerstanden. Der Trierer GMD, der dirigieren und moderieren wird, konzentriert sich auf Musik, deren Seriosität außer Frage steht und die doch den Ansprüchen einer stimmungsvollen Nachtmusik genügt. Bei Stücken wie dem Scherzo aus Mendelssohns Musik zu Shakespeares „Sommernachtraum“ hat er eine vorsichtig reduzierte Fassung auf ein neunköpfiges Ensemble ausgewählt. Bei anderen Kompositionen wie den Auszügen aus Mozarts herrlicher „Nacht-Musique“ für Bläser, bei Griegs Holberg-Suite oder Antonin Dvoraks Serenade gibt es genug philharmonische Bläser für die Originalbesetzung von acht bis zehn Musikern. Dass Sätze aus Händels Wassermusik ohne Cembalo auskommen müssen, dürften freilich nur Puristen bemängeln. Zum Ausgleich fungiert die berühmte „Toccata“ aus Claudio Monteverdis Oper „Orfeo“ von 1610 als eine Art klingender Türöffner.

14 oder 15 Musiker plus Dirigent und alle in Corona-Abständen passen nach Hochstenbachs Einschätzung auf die Bühne im Brunnenhof. Man könne sogar die Besetzung mit zusätzlichen Streichern aufstocken, verrät der Dirigent.

Überhaupt wird von allen Beteiligten ein hohes Maß an Organisationsfähigkeit verlangt. Allein die Anpassung an die Akustik im Brunnenhof könnte ein Fall für mehrere Versuchsaufstellungen sein. Wie beispielsweise das Ensemble mit Streichern auf der Bühne und Bläsern auf der Galerie klingt, muss sich erst noch herausstellen. Im Übrigen gibt sich der Trierer GMD zuversichtlich, wobei ein Anteil an Zweckoptimismus wohl dabei ist. Das betrifft auch das Konzertprogramm der neuen Spielzeit.

Jedenfalls soll nach Weihnachten mit dem 2. Sinfoniekonzert wieder das geplante Konzertprogramm anlaufen. Freilich hat die Rechnung noch einige Unbekannte. Ob bis zum Jahresende ein brauchbarer Impfstoff vorliegt, steht noch in den Sternen. Immerhin verspricht Hochstenbach: „Wir haben selbstverständlich auch einen Plan B“. Wie der aussieht, sagt Triers Generalmusikdirektor allerdings nicht.

Sommerserenaden im Brunnenhof am Trierer Simeonstift. Samstag, 27. Juni, 20 Uhr, Sonntag, 28. Juni, 18 Uhr. Werke von Mendelssohn, Dvorak, Mozart, Händel u. a. Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Trier, Leitung und Moderation: Jochem Hochstenbach. Karten an der Theaterkasse montags bis freitags, 10 Uhr bis 13 Uhr. Telefonischer Kartenverkauf (7181818): 10 Uhr bis 18 Uhr. Verkauf außerdem bei der Tourist-Information Trier und an der Abendkasse