Pianistin Yeol Eum Son brilliert beim Mosel Musikfestival in Bernkastel-Kues

Klavierkonzert : Pianistin Yeol Eum Son brilliert beim Mosel Musikfestival in Bernkastel-Kues am Konzert-Flügel

Ein beeindruckendes Glanzlicht setzte das Mosel Musikfestival am Freitagabend mit dem Konzert der mit dem Tschaikowsky-Preis gekrönten, koreanischen Pianistin Yeol Eum Son.

Im stimmungsvollen und ausverkauften Barocksaal des Klosters Machern in Bernkastel-Wehlen, vor über 30 Jahren quasi der Geburtsort des Festivals, zeigte die 33-Jährige vor 160 Zuschauern, warum sie „zu den besten Pianistinnen ihrer Generation gehört“ (Festival-Chef Tobias Scharfenberger). Das Programm umfasst eine große Diversität von Musik des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, von Alban Berg über Ravel bis Strawinsky reicht die Palette, sogar George Gershwin, einer der Urväter der amerikanischen Musik, kommt zu Ehren.

Yeol Eum scheint zunächst eine fast kühle Distanz zu wahren, wenn sich bei Bergs Sonate in h-Moll, op.1 die Tonalität auflöst; welch musikalischer Vulkan jedoch in ihr schlummert, zeigt sich spätestens in der furios trauernden und trommelnden Toccata von Maurice Ravels Suite „Le tombeau de Couperin“. Drei Sätze aus Strawinskys Ballett „Pertruschka“ spielt sie mit virtuosem Bombast, jedoch komplett ohne Pathos. Ein furchteinflößendes Finale ist Ravels „La Valse“. Hier wird die Wiener Walzerseligkeit konterkariert, ja dekonstruiert. Mit traumwandlerischer Sicherheit meistert Yeol Eum alle Höchstschwierigkeiten, das scheint fast mühelos. Stehender, langer Applaus und als zweite Zugabe dann endlich die Kontemplation nach der Eruption: Johann Selbastian Bachs „Schafe können sicher weiden“. Wunderbar!
Dirk Tenbrock

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