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Kultur
Bunte Klaviere statt steifer Frack

David Ianni verzaubert bei seiner Tour „My Urban Piano“ auch die Menschen auf dem Stephansplatz in Wien.
David Ianni verzaubert bei seiner Tour „My Urban Piano“ auch die Menschen auf dem Stephansplatz in Wien. FOTO: Angela Kalista
Mettendorf. David Ianni erzählt von seiner Karriere, und warum er als Kind schräg angeschaut wurde.

Schnell tanzen seine Finger über die Tasten. Die Klänge des schwarzen Steinway Flügels nehmen Zuhörer mit auf eine Reise durch die verschneiten Straßen Reykjaviks oder die farbenfrohen Häuser von Aarhus. David Ianni sitzt leger gekleidet am Klavier und wirkt wie ein Teil der Musik. Trotz seines Erfolges ist von Überheblichkeit bei dem 39-Jährigen nichts zu spüren.

Vor kurzem ist er noch mit seinem Projekt „My Urban Piano“ quer durch neun europäische Kulturhauptstädte getourt. Für jede Stadt komponierte er ein Lied und produzierte ein Musikvideo. Dabei spielte er stets draußen auf kunstvoll bemalten Klavieren für die Menschen und nicht in geschlossenen Räumen wie viele klassische Pianisten. „Es war mir wichtig, dass möglichst viele Menschen auf meinen Zug der Träume („Train of Dreams“) aufspringen“, sagt Ianni. Die komponierten Stücke und weitere Werke erscheinen am Freitag, 14. Dezember; in seinem siebten Album „My Urban Piano“.

Seine Karriere begann mit einem kleinen Spielzeugkeyboard von seiner italienischen Oma. „Ich war in meiner Jugend eher der Außenseiter, der Beethoven und Mozart hörte, während andere sich mit Popmusik beschäftigten“, lacht Ianni. Schon mit acht Jahren besuchte er das Konservatorium in Esch-sur-Alzette, wo er mit 15 seinen Abschluss am Klavier absolvierte. Danach führte ihn sein Studium nach London und Maastricht. Schließlich empfand er trotz großer Erfolge jedoch den Drang, nicht mehr nur die Werke berühmter Komponisten zu spielen, sondern seine eigene Musik zu erschaffen. Musik, die zwar kompositorisch anspruchsvoll, aber für alle Menschen zugänglich sei, nicht mehr nur für die musikalische „Elite“. Er freue sich besonders darüber, dass er seit seiner Tour sogar viele Kinder aus ganz Europa zu seinen Fans zählen könne.

Die Inspirationen für seine zahlreichen Werke nimmt er aus seinen persönlichen Lebenserfahrungen, den Städten oder Institutionen, für die er komponiert, und aus seinem Glauben: „Spiritualität ist das Medium zwischen den Welten. So wie sie kann die Musik für die Menschen eine Tür zu etwas Größerem, Schönerem öffnen.“

Trotz seiner Karriere vergisst Ianni niemals seine drei Kinder, seine Frau oder seine Freunde. Am Freitag, 21. Dezember, dem Todestag seiner an Leukämie verstorbenen Freundin Lisa Berg, wird er mit Serge Tonnar und André Mergenthaler ein kostenloses Konzert in der Basilika in Echternach geben. Für das nächste Jahr seien noch weitere „musikalische Porträts“ für verschiedene Institutionen und Städte geplant, die Ianni jedoch noch nicht verrät. Damit seine Musik 2019 von noch mehr Menschen gehört werden kann, durfte Ianni dieses Jahr sogar acht seiner Stücke für die selbstspielenden Klaviere von Steinway einspielen. Darunter befindet sich auch ein Schlaflied, das er bereits mit 13 Jahren komponiert hat. Das dürfte den jungen David Ianni am Spielzeugkeyboard ganz schön stolz machen.

Die CD „My Urban Piano“ ist ab Freitag, 14. Dezember bei allen gängigen Streamingdiensten erhältlich. Mehr Infos über Ianni und seine Musik zum selber anhören: https://www.davidianni.com