Poeten, Klassiker und Realisten

Poeten, Klassiker und Realisten

TRIER. Ein Bündnis für die Kunst präsentieren zum Auftakt des Kulturjahrs in Trier die Provinzial-Rheinland-Versicherungen und die Europäische Kunstakademie Trier. Entstanden ist dabei ein spannender Dialog in Bildern.

Trier hat einen neuen Leuchtturm der Gefühle. Weithin sichtbar lodert sein Feuer vom linken Moselufer über den Fluss. Den alten Schornstein des einstigen Schlachthofs, der heute die Europäische Kunstakademie Trier beherbergt, hat die spanische Künstlerin und Akademie Dozentin Yolanda Tabanera neu entflammt. "Signum-Flamme und Herzen" heißt die glühende Installation, die als Förderprojekt der Provinzial-Rheinland-Versicherungen gemeinsam mit der Akademie für Herzklopfen sorgt. Als Feuerwehrmann in Sachen brennende Herzen muss sich übrigens Petrus verstehen. Zur Vorstellung des Kunstwerks schüttete es jedenfalls wie aus Eimern. Was allerdings nicht tragisch war. Schließlich gab es drinnen in der Kunsthalle noch mehr zu sehen. Viel Prominenz bei der Eröffnung

Dort wurde als Trierer Auftakt zum Kulturjahr gleichzeitig die Ausstellung "Auswahl 5-Pars pro toto" eröffnet. Auch sie ist ein mehrjähriges Förderprojekt zwischen Provinzial und Akademie. Feierlich ging's dabei zu. Viel örtliche Prominenz war unter den zahlreichen Gästen. Zur Einstimmung spielte die Düsseldorfer Kammerphilharmonie Amadé ausgiebig Mozart. Oberbürgermeister Helmut Schröer erinnerte an die 30-jährige Erfolgsgeschichte der Akademie und bekannte sich einmal mehr zur Kunst. "Kultur und Kunst sind Investitionen in die Zukunft", bekräftigte der Stadtchef. Für Bezirksdirektor Bernd Gilga von der Provinzial bedingen Kultur und Wirtschaft einander. Weshalb für Gilga klar ist: "Wir unterstützen die rheinische Kulturlandschaft und wollen neue Berührungspunkte zwischen Kultur und Wirtschaft fördern." Akademiechefin Gabriele Lohberg setzt ohnehin auf öffentlichen und privaten Gemeinsinn in Sachen Kultur: "Zusammenarbeit ist das eigentlich Bedeutende." Die trägt jedenfalls diesmal reiche Früchte. Als Antwort aktueller Positionen auf bereits etablierte könnte man die gezeigte gemeinsame Werkschau von zwölf Künstlern aus der Provinzialsammlung und ebenso vielen Dozenten der Akademie bezeichnen. Wobei die Künstler aus Trier sich jeweils einen "Gesprächspartner" aus der rheinischen Sammlung aussuchen konnten. Der so entstandene Dialog ist ergiebig und spannend. Zu sehen sind vor allem Malerei, Grafik und Objektkunst. Natürlich liegt der vordringliche Reiz der Schau in der Gegenüberstellung. Die distanzierte Wirklichkeitswahrnehmung von Edith Oellers steht der bezwingenden Unmittelbarkeit von Ralf Fleck entgegen. Ruth Clemens abstrakte beschwingte Farbgeste scheint das Grundprinzip von Ralf Kerbachs "Gestell mit Fahrrad" nebenan. Bodo Korsigs handfeste Objekte hängen über David Rabinowitchs Feinsinn. Die lineare Anordnung von Karin Angeles "überdimensionierten Lockenwicklern" (so eine Besucherin) scheint Halt zu bieten zwischen Gunter Damischs "Blaufeldflimmerwelt" und Thomas Peters neuer bunter Objektwelt. Witziges Werk: "Ein Stier wird gemolken"

Natürlich lohnt es sich auch, die Werke einzeln zu entdecken, etwa einen Imi Knoebel, der einmal nicht geometrisch nüchtern, sondern als Poet daherkommt. Wolfgang Rüppel zeigt sehr schöne Arbeiten zum Thema Wirklichkeit und Wahrnehmung. Geradezu ein Klassiker ist Martin Noels Wandinstallation daneben. Als einziger Keramiker ist Thomas Naethe mit von der Partie. Seine eleganten Arbeiten antworten auf Lotte Reimers archaische "Große Kumme". Sehr witzig: Ivan Akimovs Erinnerung an den realexistierenden Sozialismus "Ein Stier wird gemolken." noch bis 29. April zu sehen, von Dienstag bis Sonntag, von 11 bis 17 Uhr, in der Europäischen Kunstakademie, Aachener Straße 63, 54294 Trier, Telefon: 0651/998460

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