Poetisch, kraftvoll und ausdrucksstark wie die Mutter

Luxemburg · Ein furioses Konzert hat die New Yorker Sängerin Lisa Simone in der Luxemburger Abtei Neumünster gegeben. Mit kraftvollem Gesang und einer Show in Broadway-Manier zeigte die Tochter von Nina Simone, dass sie den Vergleich mit ihrer berühmten Mutter nicht zu scheuen braucht.

 Grandioser Auftritt: Lisa Simone beim Autumn Leaves Festival in Luxemburg. TV-Foto: Anke Emmerling

Grandioser Auftritt: Lisa Simone beim Autumn Leaves Festival in Luxemburg. TV-Foto: Anke Emmerling

Luxemburg. Lisa Simone elektrisiert ihre Zuhörer von der ersten Sekunde an. Charismatischer Stolz wie der einer Hohepriesterin zeichnet ihre Haltung, und der Ausdruck ihrer warmen, herben Stimme trifft ins Mark.
Zum Auftakt liefert die 52-Jährige eine bluesgefärbte Soulballade ab, die mit ihrer spirituellen Intensität alle Nervenfasern vibrieren lässt. Es ist der Titelsong des aktuellen Albums "All Is Well". Nicht immer war alles gut bei Lisa Simone. Über ihrer Laufbahn, die von einem technischen Beruf erst spät in verschiedene Band- und Broadway-Musical-Projekte mündete, lag ein großer Schatten, den sie offensiv anspricht: "Ihr alle wisst, wer meine Mutter ist!", ruft sie in den Saal. Die Tochter von Nina Simone zu sein, war für sie offensichtlich nicht einfach.
In der intimen Ballade "Child In Me" singt sie über das Verlassensein. Vielleicht hat gerade diese Leiderfahrung Lisa Simone zu einer derart ausdrucksstarken Künstlerin reifen lassen. Vielseitig und facettenreich sind ihr Programm und ihre Interpretation. Erst zart und bittersüß, dann kraftvoll und groovig akzentuiert intoniert sie den Klassiker "Autumn Leaves" in französischer Sprache. Das Hair-Medley "Aint Got No/Got Life", mit dem ihre Mutter berühmt wurde, kommt wie eine Broadwaynummer und Leonhard Cohens "Suzanne" als funkig angehauchter Reggae daher. Dazwischen mischen sich stark vom Blues, vom Gospel und vom Soul der 1960er Jahre durchdrungene Titel, aber auch Eigenkompositionen.
Lisa Simone lässt ihre samtige Stimme in hymnischen Linien über mehrere Oktaven laufen, berauscht ihr Publikum mit Sensibilität und Leidenschaft. Begleitet wird sie von dem afrikanischen Gitarristen Hervé Samb, dem amerikanischen Bassisten Reggie Washington und dem karibischen Schlagzeuger Sonny Troupé.
Nicht nur die Musik reißt die Zuhörer zu Ovationen aus den Sitzen. Es ist auch die von Eleganz und den Entertainerqualitäten Simones geprägte Show. Geschmeidig tanzt sie durch den Saal, schäkert mit den Zuschauern, animiert sie zum Mitsingen. In allem, was sie tut, liegt Kraft und Präsenz, die sich am Ende im explosiven Soulkracher "Finally Free" entlädt. ae

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