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Politiker kritisiert Trierer Theaterintendanten Sibelius: "Ihr Führungsstil ist beschämend."

Trier. Gerd Dahm saß 18 Jahre für Bündnis/Die Grünen im Trierer Stadtrat. Er gehörte der Findungskommission für den neuen Intendanten an und befürwortete die Wahl von Karl Sibelius. In einem offenen Brief lässt er nun wissen, dass er seine Entscheidung "zutiefst bedauert". Rainer Nolden

Trier. Es sind harsche Worte, die Gerd Dahm, Lehrer an der Porta-Nigra-Schule, Vorsitzender des Trierer Behindertenbeirats und langjähriges Stadtratsmitglied, dem designierten Trierer Intendanten Karl Sibelius in einem "offenen Brief" zukommen lässt. Es gebe, heißt es da, "im politischen Tagesgeschäft die sinnvolle Verabredung, dass man sich in der Öffentlichkeit mit Kommentaren zu den Entscheidungen einer Personalfindungskommission zurückhält, wenn man selbst Mitglied dieser Kommission war". Es gebe allerdings auch Gründe, "diese Zurückhaltung aufzugeben, wenn die Verschwiegenheitspflicht offensichtlich dazu führt, dass Absprachen verändert oder ,bewusst vergessen' werden, weil nicht zu befürchten ist, dass dies öffentlich kritisiert wird".

Zwar habe Dahm die Entscheidung der Kommission, Karl Sibelius das Amt des Intendanten zu überantworten, mitgetragen - "in der Erwartung, dass Sie den Veränderungsprozess unter Einbeziehung der kreativen Stützen des Theaters, GMD Victor Puhl und Ballettdirektor Sven Grützmacher, angehen. Ebenso habe ich erwartet, dass es nicht zu Massenkündigungen kommt, sondern dass alle Künstler eine faire Chance erhalten". Dahm selbst habe darum gebeten und "vorausgesetzt, dass Sie wissen, was Veränderungsmanagement bedeutet". Sibelius habe diese Anforderungen nicht infrage gestellt - eine Voraussetzung dafür, dass Dahm für den neuen Theatermann gestimmt habe.

Eine AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) könne durchaus von zwei und mehr eigenverantwortlichen Vorständen geführt werden, so Dahm weiter. Sibelius' Alleinherrschaftsanspruch dagegen sei "sachlich und strukturell nicht zwingend, er ist schädlich. Dass Sie sich mittlerweile als Generalintendant bezeichnen und offensichtlich auch nicht davor zurückschrecken, den Stadtrat mit einem Drohbrief zu nötigen, spricht in diesem Kontext für sich".

Gerd Dahm macht aus seiner Enttäuschung kein Hehl: "Sie haben geworben mit Ihrer demokratischen Führungskultur. Was ich wahrnehme, ist, dass ihre demokratische Haltung spätestens dann zu Ende ist, wenn Ihnen selbstbewusste Menschen nicht nach dem Mund reden. Die Ausschreibung, auf die Sie sich beworben haben, spricht von einem ,eigenverantwortlichen Intendanten'." Sibelius allerdings mache daraus einen "alleinverantwortlichen Intendanten".

Wie der neue Chef mit verdienten Künstlern umgehe, die dieses Theater in den letzten Jahren mit großem Engagement weiterentwickelt hätten, sei "beschämend". Dahm beschließt mit einer durchaus selbstkritischen Note: "Im Nachhinein muss ich resümieren, dass ich mich in meiner politischen Laufbahn noch nie so getäuscht habe wie in der Besetzung der Intendantenstelle. Ich bedaure dies zutiefst."