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Porträt: Der Trierer Künstler Clas Steinmann wird 80 Jahre alt.

Maler, Bildhauer, Zeichner : Ein Leben für Kunst und Lehre

Der Trierer Künstler und ehemalige Hochschullehrer Clas Steinmann wird am 9. Juni 80 Jahre alt.

„Sie bleiben nicht länger als einen Tag“ hatte man ihm  beim Aufbruch nach Trier prophezeit, wo er sein Referendariat für das Lehramt als Kunsterzieher  am heutigen Humboldt-Gymnasium absolvieren wollte. Im fernen Rheinland-Pfalz sei das in kürzerer Zeit möglich, war ihm gesagt worden, als hier in Berlin, wo er gerade sein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste abgeschlossen hatte. Das war 1968. Über ein halbes Jahrhundert später ist Clas Steinmann noch immer in der Stadt an der Mosel. Wurzeln haben nicht nur die Bäume in seinem schönen Garten geschlagen, wo er an diesem warmen Junitag am Teich mit Wasserlilien sitzt, um über sein Leben und seine Kunst zu sprechen. 

Längst ist der Wahltrierer fest in der städtischen Kunst-und Kulturszene verortet, die er als Künstler wie als Lehrender entschieden bereichert und hochengagiert gefördert hat. Die jüngste Auszeichnung mit dem Ramboux-Preis 2022 der Stadt Trier für sein Lebenswerk (der TV berichtete) würdigt nur einmal mehr Clas Steinmanns vielfältiges verdienstvolles Wirken. Ein „Einzeller“ ist der 1941 in Gießen geborene Hesse schließlich auf keinen Fall. Um es zum  runden Geburtstag  frei nach Dichterfürst Goethe zu sagen: Zwei Seelen wohnen in der Brust des umtriebigen Mannes, die des Künstlers und die des Lehrers. Als stimmige Doppelnatur haben sie sein Schaffen bestimmt. Natürlich spiele die Kunst in seinem Leben eine zentrale Rolle, sagt Steinmann. „Aber das Pädagogische war mir auch  immer ein ganz wichtiges Anliegen.“ Schon damals als er in der Jugendarbeit tätig war, als Student beim Auslandsaufenthalt in Amerika und schließlich im Lehramt am Trierer Angela-Merici-Gymnasium. Von dort wechselte er 1972 als Professor für Zeichnen und Gestaltungsgrundlagen an die  Fachhochschule Trier, die heutige Hochschule. An der „Schnittstelle zwischen Architektur und Innenarchitektur“ motivierte der Hochschullehrer seine Studierenden zu kreativem Mut. „Ich wollte, dass meine Studentinnen und Studenten nicht einfach abzeichnen, sondern eigene Visionen entwickeln.“ Tatkräftig beteiligte er sich an der Umstellung und Neuorganisation der Studiengänge infolge des „Bologna-Prozesses“. Die eigene künstlerische  Arbeit voranzutreiben, vergaß der inzwischen weißhaarige Mann mit dem kurzen Haarschnitt  über dem energischen Gesicht dabei nicht.

Gefühlt zahllos sind die Arbeiten des Multi-Media-Künstlers. Gerahmt und  in Reih und Glied steht zumindest ein Teil von dem, was an Ideen Bild wurde, in den Regalreihen seines Ateliers. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang, zahlreich seine Werke im öffentlichen Raum.  Für breite Aufmerksamkeit sorgte in Trier sein als Stelen gestaltetes Mahnmal für die von den Nationalsozialisten deportierten und  ermordeten Sinti und Roma am Bischof- Stein-Platz.

Maler, Zeichner, Bildhauer: all das ist Clas Steinmann. Kernzelle seines künstlerischen Schaffens bleibt das Kleinteilige, Detaillierte, bis ins Feinste reflektierte und durchdachte, ob im flächigen Bild oder im dreidimensionalen Raumkörper. „Ich bin ein Uhrmacher“ sagt der Künstler über seine kreative Feinmechanik und lacht. Selbst seine Kunst am Bau sei eigentlich nichts anderes als die monumentale Erweiterung kleiner Objekte. Den manifesten  Raum der Realität hat Steinmann mittlerweile lustvoll durch den virtuellen des 3-D-Bildes erweitert , die greifbare Wirklichkeit der analogen Bilder wird in seinem späten Werk immer wieder von digitalen Bildschöpfungen durchdrungen und überlagert. Überhaupt leben das Fantastische und das Reale einträchtig miteinander in der surrealistischen Bilderwelt des Schülers von Mac Zimmermann und ihrem zuweilen hintergründigen Witz. „Plötzlich guckt da ein Karpfen um die Ecke.“ Für Steinmann nicht weiter verwunderlich: „Ohne Humor geht gar nichts.“ Seit 2016 ist Clas Steinmann als Hochschullehrer im offiziellen Ruhestand. Die Betonung liegt auf offiziell. Nicht nur, dass er regelmäßig mit seiner Frau Maria mit dem Fahrrad unterwegs ist. Wobei sein Umstieg aufs E-Bike nicht dem Alter, sondern dem „größeren Aktionsradius“ geschuldet ist. Auch in der Kunst ist er weiter auf dem Weg. Demnächst stellt  der Künstler in Wittlich aus sowie in einem gemeinsamen Projekt mit Sohn Paul in der  Europäischen Kunstakademie. Der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst, in deren Vorstand er über Jahre aktiv war, gestaltet er neben anderem weiterhin die Einladungen. Im Übrigen bleibt für Steinmann die Kunst, was sich in seinem Werk eindrücklich  darstellt: ein vielfarbiger Zusammenklang aus Geist und Empfindung, aus Erfahrenem und Erträumtem, angetrieben von der Bereitschaft, immer wieder zu unbekannten Horizonten aufzubrechen. Am 9. Juni wird der Künstler 80 Jahre alt.