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Portrait: Marie-Luise Niewodniczanska als Präsidentin Europäischer Bildender Künstler

Bildende Kunst / Menschen : Ein Wunsch ist noch offen

Nach acht Jahren hat Marie-Luise Niewodniczanska ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen abgegeben. Eine Bilanz.

Eigentlich weiß man gar nicht so recht, wo man anfangen soll bei den zahllosen Aktivitäten dieser Frau, die keinerlei Altersmüdigkeit zu kennen scheint. Denn bei Marie-Luise Niewodniczanska hängt alles mit allem zusammen: die  Liebe zu Kunst und Archäologie, ihr Studium der Architektur, ihr Engagement für die Denkmalpflege und nicht zuletzt ihre große Liebe zur heimatlichen Region. „Act local, think global“ (lokal handeln, global denken), die Devise dieser Zeit  lebt die Bitburgerin seit jeher mit vollem Einsatz und aus vollem Herzen.

 Nicht anders als Präsidentin der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK),  deren Vorsitz sie 2011 übernommen hatte. Nach acht Jahren hat sie ihn  jetzt an ihren Nachfolger Gerald Keßler abgegeben. „Die Arbeit hat mir viel Freude gemacht“, resümiert die 1938 geborene Honorarprofessorin der Hochschule Trier, „aber nun ist es Zeit, den Stab weiterzugeben“.  Ein bisschen mit Wehmut sagt sie das, denn schließlich hat sie etliches auf den Weg gebracht. Gleichwohl gilt auch für sie: „Wenn es am schönsten ist, soll man gehen.“

Dass sie seinerzeit das Amt der EVBK-Präsidentin übernahm, hatte auch etwas mit Heimatliebe zu tun und einem Heimatbegriff, der nicht an den Grenzen haltmacht, sondern Kulturräume als Heimat begreift. Seit langem schon war sie der Region durch ihren  grenzüberschreitenden Einsatz für Geschichte und kulturelles Erbe des Eifel-Ardennen-Raums bekannt. Da war die EVBK eigentlich nur eine Erweiterung des kulturellen Spektrums.

„Mir war es stets wichtig, diesen uralten Kulturraum Eifel-Ardennen zu fördern und ins Bewusstsein zu rücken“, bestätigt Niewodniczanska.   Mehr noch: „Mir hat die Internationalität der Vereinigung natürlich sehr gefallen“, erklärt die weltläufige Witwe eines hochverdienten Polen in Deutschland, die an der Hochschule ETH in Zürich ihr Architekten-Diplom gemacht hat. Wie stets nahm sich die neue Präsidentin ihrer Aufgabe mit vollem Einsatz an. Mit Verve machte sie sich daran, eine Jury nach modernem Muster einzusetzen, soll heißen  eine Jury, die ohne Namensnennung der Künstler die Werke anonym  bewertete, die zur traditionellen Jahresausstellung in Prüm eingereicht waren und deren Jury-Mitglieder turnusmäßig wechselten. Fortgeführt und ausgebaut wurden die von Niewodniczanskas Vorgänger ins Leben gerufenen Ausstellungsprojekte in Belgien und Luxemburg.

Auch im SWR-Studio in Trier wurde regelmäßig eine Auswahl der zur jährlichen Prümer Leistungsschau zugelassenen Künstler präsentiert.  Durch Künstler-Führungen erweitert wurde zudem das Begleitprogramm der Jahresausstellung.  Überdies wurde der layoutmäßig in die Jahre gekommene Katalog „relauncht“. Verstärkt wurde zudem der Kontakt zur  Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, deren Kulturministerin Isabelle Weykmans ein gern gesehener Gast war.

„Ich habe viel bei meiner Arbeit für die EVBK gelernt“, resümiert ihre vormalige Präsidentin, „nicht zuletzt  durch die Bekanntschaft vieler neuer Künstler“.  Mit ihnen will sie auch künftig Kontakt pflegen, wie sie auch der Vereinigung, wo benötigt, weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen will.

Lieblingsausstellungen oder -ereignisse hat die scheidende Präsidentin ebenso wenig in Erinnerung wie ausdrücklich unangenehme Erlebnisse. „Es war eine gute, interessante Zeit, in guter Zusammenarbeit“, blickt Niewodniczanska auf ihre Präsidentschaft zurück. Ein paar Wünsche hat auch sie noch offen.  So sind die Kontakte nach Frankreich eher spärlich geblieben. Und auch das Projekt, das ihr zur Herzensangelegenheit geworden ist, bedarf noch der Realisierung: ein Museum für die Kaiser-Lothar-Preisträger im Haus des Gastes am Prümer Hahnplatz.

Zur Eröffnung der Jahresausstellung am 6. Juli in Prüm wird Niewodniczanska ab 15 Uhr noch einmal als scheidende Präsidentin sprechen.