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Premiere in der Heimatstadt

Premiere in der Heimatstadt

Theater-Autor: Diese Berufsbezeichnung klingt spannend, ja fast weltläufig. Zumal, wenn man von Hamburg bis Köln, von Karlsruhe bis Osnabrück aufgeführt wird. Aber es ist ein harter Job, sich auf dem Markt der Stückeschreiber zu etablieren. Lothar Kittstein ist dabei.

Trier. Beim ZDF-Theaterkanal hat er es schon geschafft. Dort wurde Lothar Kittstein in die Reihe der "bereits arrivierten Autoren" eingeordnet. Nicht schlecht für einen, der erst seit fünf Jahren schreibt.1970 in Trier geboren, Abi am Max-Planck-Gymnasium, Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie. Mit 26 Promotion über "Preußische Politik". Später ein Job als Headhunter bei einer Personalberatung. Das hört sich nach einer Karriere als Abteilungsleiter an, nicht als Schriftsteller. Aber ab 2003 schreibt Kittstein Stücke und Geschichten, schickt sie zu Wettbewerben - und hat Erfolg. In Marburg, Frankfurt, Duisburg, Tübingen gewinnt er Preise, das Thalia-Theater in Hamburg stellt eines seiner Stücke vor, Osnabrück bestellt ein Auftragswerk. Das Schauspiel Köln holt ihn für zwei Jahre auf eine feste Stelle in die Dramaturgie. Irgendwann wird das Theater Trier darauf aufmerksam, dass da jemand aus der eigenen Stadt andernorts Erfolge feiert. Man beauftragt ihn, ein Jugendstück für Trier zu schreiben und dabei Schüler gezielt in den Prozess einzubeziehen. Das klingt nach der ganz großen Erfolgs-Laufbahn. Aber das Metier ist hart. Vom Schreiben leben kann nur, wer seine Stücke im regelmäßigen Repertoire der Bühnen unterbringt. Ein fast aussichtsloses Unterfangen. "Ohne Elterngeld könnte ich im Moment nicht überleben", sagt Lothar Kittstein ehrlich. Das Erziehungsjahr für seinen Nachwuchs gibt ihm auch Zeit fürs Schreiben. Eine Dauerlösung ist das nicht. "Ich gebe mir drei, vier Jahre für den Durchbruch", hat er beschlossen. Und wenn nicht? "Ich würde auch Regale bei DM einräumen." Der 37-Jährige sieht das nüchtern und ohne Gejammer: "Wenn ich einen Laden aufmachen würde, wüsste ich ja vorher auch nicht, wie es läuft". Bis Mai hat er drei Premieren - kein schlechter Start.In Trier ist die Sache bislang gut gelaufen. Über ein Jahr hat er an dem Stück "Tokio" gebastelt, gemeinsam mit Schülern des Hindenburg-Gymnasiums. Denen stellte er die Dreiecks-Geschichte um Ben, Anna und Alex, die nach dem Abitur den schwierigen Weg ins "Erwachsenen-Leben" suchen, zunächst als Exposé vor. Dann hat man gemeinsam Entwicklungswege gesucht, mögliche Handlungsstränge erfunden, die Figuren weiterentwickelt. Geschrieben hat der Profi-Autor allein, aber das, was im Stück passiert, haben die Schüler in monatelanger Zusammenarbeit mit entschieden. Zehn waren es am Anfang, fünf blieben bis zum Feinschliff am Ende dabei. "Das hat klasse funktioniert", freut sich Theaterpädagogin Sylvia Martin. Die Schüler sind nun ebenso gespannt wie der Autor, was Regisseurin Indira Rautenberg aus ihrer Vorlage macht. Denn eines ist Lothar Kittstein klar: "Wenn ich den Text abgegeben habe, gehört er nicht mehr mir". Das Gefühl, seinen Part abgeschlossen zu haben, sei "befreiend, aber auch aufregend". Aus der Umsetzung will er sich raushalten. Auch auf die Gefahr hin, dass manches nachher anders über die Bühne im Café Lübke kommt, als er es sich gedacht hat. "So ist das halt beim Theater", sagt er. Umso spannender wird es dann bei der Premiere. Und dass sie "zuhause" in Trier stattfindet, wo seine Eltern immer noch wohnen, verleiht der Sache einen zusätzlichen Reiz.Öffentliche Generalprobe am 24. Januar, Premiere am 25. Januar, jeweils 20 Uhr, Café Lübke (am Balduinskreisel Nähe Hauptbahnhof). Karten: 0651/7181818.