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Priester, Jäger und Studenten

Trier. Die schönsten Stücke aus beliebten Opern hat der Kölner Männer-Gesang-Verein am Samstag im Trierer Theater präsentiert. Der Chor existiert bereits seit fast 175 Jahren.

Trier. 1842. Joseph Groll braut das erste Pils, die preußische Armee führt die Pickelhaube ein, Richard Wagner beginnt mit seiner Arbeit am "Tannhäuser". In Köln wird der Grundstein für den Weiterbau des Domes gelegt. Und eng damit verbunden ist die Gründung eines Vereins, den zwölf Musikliebhaber aus der Taufe heben: die "Kunstanstalt für den deutschen Männergesang". Die Sänger sammeln unter dem Motto "Durch das Schöne stets das Gute" Geld für Bau und Erhalt des Kölner Doms. Heute heißt der Chor Kölner Männer-Gesang-Verein und ist auf 190 aktive Mitglieder angewachsen, gut 120 haben ihre geballte Sangeskraft am Samstag im Theater Trier erklingen lassen. Männnergesangverein - das klingt volkstümlich und etwas angestaubt.
Dass es auch anders geht, zeigen die Kölner, die sich berühmten Opernchören widmen: Sie geben die Priester in Mozarts "Zauberflöte", die Studenten in "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach und die Höflinge in Verdis "Rigoletto" und treffen dabei ganz unterschiedliche Stimmungen - von würdevoll bis ausgelassen. Feierlich klingt der Pilgerchor aus Wagners "Tannhäuser", drei Jahre nach Gründung des Chors uraufgeführt, fröhlich der - unvermeidliche - Jägerchor aus Webers "Freischütz". "Um den kommen Sie nicht herum!", sagt Bernhard Steiner, der nicht nur mit launiger Moderation durch das Konzert führt, sondern auch den Chor sowie das Philharmonische Orchester der Stadt Trier dirigiert. Eine Frau schafft es aber fast, den Männern die Schau zu stehlen: Adréana Kraschewski, langjährigen Theaterbesuchern als früheres Ensemble-Mitglied bekannt, singt unter anderem die Arie der Violetta ("Rigoletto"). Tenor Uwe Stickert erhält für die schwierige Partie des Tonio aus Donizettis "Regimentstochter" ebenso viel Beifall. Dritter Solist ist Tobias Scharfenberger, designierter Intendant des Mosel Musikfestivals, der sich mit der Arie des Hamlet von Ambroise Thomas dem Publikum auch gesanglich vorstellt. daj