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Priesterwelt ist keine heile Welt

Priesterwelt ist keine heile Welt

Auch wenn das Programm lange im Vorfeld feststand, so hätte das Thema nicht aktueller sein können. Um "Priester-Bilder" ging es beim "Aschermittwoch der Künstler". Die Werke sind noch bis Ende März in der Katholischen Akademie Trier zu sehen.

Trier. (er) Auch Priester sind Kinder ihrer Zeit, und die Priesterwelt ist keine heile. Mit seiner Feststellung widerspricht Jürgen Doetsch, Direktor der Katholischen Akademie in Trier, einem naiven, im Wortsinn weltfernen Priesterbild. Der Theologe erkennt die vom Missbrauchsskandal neu entfachte Auseinandersetzung um Sein und Schein von Priestern als Ausdruck einer tieferen Krise, bei der es um das Wesen und den Sinn der Kirche geht. Dass die Antwort auf die Sinnfrage zumindest in der Öffentlichkeit einer Mediengesellschaft merklich von Film, Fernsehen und Printmedien beeinflusst wird, lassen die Untersuchungen von Ronald Uden vermuten.

Der Professor für christliche Publizistik aus Erlangen hat in 270 Filmen die Rolle des Pfarrers analysiert. Vor allem als "Mitmensch" komme der Pfarrer gut an, der - ob er nun Don Camillo oder Pfarrer Braun heißt - als aktiver, dynamischer Sympathieträger lebenspraktisch Alltagsfragen regelt und dabei manch verirrtes Schäflein zurück in den Schoß der Kirche führt.

Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit



Neben den Fotos der Trierer Gesellschaft für Fotografie ist im Rahmen der Ausstellung Priester-Bilder auch der Gemäldezyklus "Kreuztracht" von Thomas Jessen zu sehen. Anlass zu diesem Projekt war eine Priesterweihe im westfälischen Gehrden, wo die karfreitägliche Tradition des Kreuzwegs noch heute gepflegt wird. Unter das Kreuz sollen auch die porträtierten angehenden Priester ihr Leben stellen. In den 14 Stationen ihrer eigenen Passion offenbaren die Modelle, was sie an Glauben und Gottesfurcht, an Zweifeln und Ängsten im Hinterkopf und in der Seele haben.

"Es ist die gegenseitige Überforderung", beschreibt Jessen die Situation seiner Priester-Modelle und meint damit die schwer überbrückbare Kluft zwischen dem Anspruch des Amtes und der menschlichen Wirklichkeit. Die Seelenlage transportiert in den Gemälden die Farbe; den Anspruch des Amtes verbildlichen Symbole wie das Kreuz oder kirchengeschichtliche Verweise wie der auf das Turiner Grabtuch.

Die Ausstellung ist bis zum 31. März jeweils montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr zu sehen, Infos unter Telefon 0651/8105232.