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Proben wie in Babylon

Körpersprache ist gefragt: Regisseur Gerhard Weber und Übersetzerin Maria Duran Kremer rahmen die Schauspieler Jan Brunhoeber, Luis Vicente (Mitte) und Tania Silva ein. TV-Foto: Friedemann Vetter
Körpersprache ist gefragt: Regisseur Gerhard Weber und Übersetzerin Maria Duran Kremer rahmen die Schauspieler Jan Brunhoeber, Luis Vicente (Mitte) und Tania Silva ein. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Es wird ohne Frage das internationalste Projekt der Trierer Theatersaison: Für das Stück eines englischen Autors haben sich Theater aus Portugal, Deutschland und Luxemburg zusammengetan, der Bühnenbildner kommt aus Frankreich, und das Budget liefert die EU. Die Sache wird spannend. Von unserem Redakteur Dieter Lintz

Trier. Es herrscht ein Stück Babylon im Probensaal des Trierer Theaters. Prospero, der Zauberer, spricht Portugiesisch und Französisch, aber weder Deutsch noch Englisch. Bei den meisten seiner Kollegen aus dem Trierer Ensemble ist es genau umgekehrt. Prosperos Luftgeist Ariel wiederum spricht Englisch und Portugiesisch, aber weder Französisch noch Luxemburgisch. Aus Luxemburg kommt der Spaßmacher Trinculo.

Aber erstaunlicherweise entsteht aus alledem keine Sprachverwirrung. Schauspielerei ist eine Kunst, die auch ohne Sprache funktionieren kann. Und um alles andere kümmert sich Maria Duran-Kremer, Vorsitzende des Trierer Ausländerbeirats und, wie es das Glück will, studierte Simultan-Übersetzerin mit Kenntnissen in sechs Sprachen.

Die in Lissabon Geborene stand auch Patin, als vor vier Jahren die ersten Kontakte zwischen dem Theater Trier und dem Teatro Acta in Faro geknüpft wurden. Acta bespielt mit seinen 14 künstlerischen Mitarbeitern die malerische Küstenregion Algarve, ohne festes Haus, als Gastspiel-Ensemble. Ein weiteres Standbein ist die umfassende Arbeit in Schulen und Bildungseinrichtungen. "Wir sind in dieser Form einmalig in Europa", sagt der Leiter Luis Vicente, der bei der gemeinsamen "Sturm"-Produktion die Hauptrolle spielt.

Es hat seine Zeit gedauert, bis das internationale Projekt "gereift" (Vicente) war. Mit dem Luxemburger Nationaltheater stieg ein weiterer Partner ein, und angesichts der breiten Basis ließ sich die Europäische Union nicht lumpen. Sonst wäre es auch schwerlich möglich gewesen, die Ensembles für Proben zusammenzuholen und das Stück im Februar in Trier und Luxemburg und dann im Juni in Faro zu zeigen.

Das inhaltliche Konzept stammt vom Trierer Intendanten Gerhard Weber, der auch Regie führt. Seine Grundidee ist ebenso einfach wie einleuchtend, aber man muss erst drauf kommen. Shakespeares Drama erzählt die Geschichte von Schiffbrüchigen, die auf einer fremden Insel stranden. Zwischen deren Bewohnern und den unfreiwilligen Eindringlingen entspinnt sich heftiger Streit, bei dem sich bald herausstellt, dass die Fremden einander gar nicht so fremd sind.

Webers Kniff: Die Inselbewohner werden vom portugiesischen Teil des Ensembles dargestellt, die Rollen der Besucher übernehmen die Trierer und Luxemburger Akteure. Jeder spricht in seiner Sprache, manchmal auch Englisch, die Handlung wird für das Publikum übertitelt.

Aber darauf allein will sich der Regisseur nicht verlassen. "Versuch', so viel wie möglich mit Körpersprache auszudrücken", feuert Weber etwa den Darsteller des Sklaven Caliban, Mario Spencer, an. Der wiederum feilt fantasievoll an jeder Bewegung, gemeinsam mit Luc Feit, dem so ziemlich Besten, was die Luxemburger Schauspielszene derzeit zu bieten hat.

Fünf Wochen vor der Premiere ist noch Zeit für Kreativität - später wird man genug zu tun haben mit der handwerklichen Präzision, die es erfordert, wenn man ein Stück in drei Sprachen und trotzdem aus einem Guss auf die Bühne bringen will.

Gerhard Weber ist derweil sichtlich stolz auf seinen "europäischen Ansatz", wie er sich für ein "Theater in der Mitte Europas" gehöre, wenn es um den "Kontinent Shakespeare" geht. Ob das ambitionierte Vorhaben auch bei den Zuschauern funktioniert? Sein Kollege Vicente ist da mehr als optimistisch: Die Mehrsprachigkeit der Produktion sei für Publikum und Darsteller "kein Problem, höchstens eine Herausforderung".

Vorstellungen in Trier: 12., 13., 15., 16., 25., 26., 27. Februar. Im Luxemburger Kulturzentrum Mamer: 17., 18. Februar. In Faro: 10., 11., 17., 18. Juni.