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Professor Rudolf Ewerhart erhält päpstlichen  „Gregoriusorden“

Ehrung : Musiker, Dirigent, Instrumentensammler

Professor Rudolf Ewerhart erhielt aus der Hand von Bischof Ackermann den päpstlichen „Orden des Heiligen Gregors des Großen“. Es ist die Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Bei Trierer Oratorien-Aufführungen saß er nicht selten am Orgelpositiv – halb verdeckt und unauffällig. Rudolf Ewerhart suchte nicht das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er konzentrierte sich auf die Musik – als Chordirigent, als Kammermusiker, als Organist und nicht zuletzt als Wissenschaftler. Kürzlich hat ihm Papst Franziskus den „Orden des Heiligen Gregors des Großen“ kurz „Gregoriusorden“  für sein Lebenswerk verliehen. Das ist die höchste kirchliche Auszeichnung für einen Laien.  Ewerhart erhielt sie aus der Hand von Bischof Ackermann im Burghaus Wassenach bei Maria Laach, wo er seit vielen Jahren lebt.

Rudolf Ewerhart wurde 1928 im saarländischen Lebach geboren.  Aber nicht das Saarland, sondern  Trier, wo er aufwuchs und wohin er immer wieder zurückkehrte, war Dreh- und Angelpunkt seiner musikalischen und musikwissenschaftlichen Aktivität. Als Sänger im Trierer Domchor, noch unter Leitung von Johannes Klassen, hatte er früh die Größe und Bedeutung alter Musik erfahren.

Seit Ende der 1940er Jahre profilierte sich Ewerhart mit seinem „Trierer Motettenchor“ als kompetenter Chorleiter. Eine entscheidende Bedeutung hatte für ihn die Begegnung mit Hermann Schroeder. „Ich verdanke Hermann Schroeder aus den Monaten bis Ostern 1946 die ersten Stufen des Orgelspiel, eine solide musikalische Grundausbildung und die Entscheidung zum Musikerberuf“, schreibt Ewerhart in einem persönlichen Rückblick. Motiviert von Schroeder, studierte er in Köln katholische Kirchenmusik, absolvierte  im Juli 1949 sein Staatsexamen  und belegte ab Oktober 1949 in Freiburg die Fächer Chorleitung und Musikwissenschaft.

Bei den Arbeiten zu seiner Dissertation über die „Handschrift 322/1994 der Stadtbibliothek Trier als musikalischer Quelle“ gelang ihm ein bedeutender Fund. Ewerhart entdeckte in einem Gebetbuch des Karthäusermönchs Bruder Konrad vom Ende des 16. Jahrhunderts die älteste Textquelle des Weihnachtslieds „Es ist ein Ros‘ entsprungen“. Seitdem zählt dieses Buch mit  dem bescheidenen Format von 14x10 Zentimetern zu den Schätzen der Stadtbibliothek.

Indessen wollte sich Ewerhart nicht auf Wissenschaft allein konzentrieren. Mit seinem Motettenchor entwickelte er im Trierer Musikleben Alternativen zum Trierer Theater und zum Musikverein der Stadt. Während man sich dort auf Oper, Orchesterkonzerte und Chorsinfonik konzentrierte, stellte Ewerhart in seinen Konzertprogrammen unbegleitete Chormusik, klein besetzte Ensembles und nicht zuletzt alte Musik in den Mittelpunkt seiner Programme. Lange bevor Nikolaus Harnoncourt und die Musiker der Amsterdamer Leonhardt-Schule mit Barockmusik und historischer Interpretationspraxis zu Weltgeltung kamen, hatte Ewerhart als Dirigent, Musikforscher und Herausgeber bedeutender Kompositionen alter Musik im damaligen Musikleben schon Fuß gefasst. Mit seinem musikalisch-wissenschaftlichen Rüstzeug wurde er 1955 Dozent an der Bischöflichen Kirchenmusikschule in Münster und war von 1964 bis 1974 Direktor der Einrichtung. Von 1972 bis 1992 wirkte er dann als Professor und Leiter der Abteilung katholischer  Kirchenmusik an der Kölner Musikhochschule.

Ewerharts Produktivität war beachtlich. Sein „Verzeichnis der musikalischen Tätigkeiten“ umfasst 47 Seiten und verzeichnet Notenausgaben verschiedenster Epochen und Besetzungen. Darunter finden sich 37 Werke von Palestrina und zahlreiche Solokantaten der Barockzeit. Neben seiner musikalischen Aktivität und seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte er zudem fünf selbständige wissenschaftliche Schriften und dazu an die 40 Artikel in Tageszeitungen oder Zeitschriften. Noch 2010 publizierte er im Kurtrierischen Jahrbuch einen Aufsatz  „Johann Trapp, ein Trierer als Organist in Koblenz“. Ewerhart war zudem 1960 Mitbegründer der bedeutenden überregionalen Schallplattenreihe „harmonia mundi“ und hat als Dirigent, Organist, Generalbass-Spieler oder Kammermusiker mehr als 50 Schallplatten eingespielt.

Seit dem Tod seiner Frau (1982) lebt Rudolf Ewerhart zurückgezogen im Burghaus Wassenach. Im ehemaligen Tanzsaal des Herrensitzes findet sich heute Ewerharts umfangreiche Instrumentensammlung. Deren Schwerpunkt liegt auf der Tastenmusik. Orgel, Clavichord, Cembalo, Spinett und Hammerklavier sowie frühe Bauweisen des Harmoniums sind dort ausgestellt. Es ist eine reiche Sammlung. In ihrer Fülle kann sie den Vergleich mit öffentlichen Museen durchaus bestehen.