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Programm: Die Stadtrundgänge beim Weltgästeführertag 2022 in Trier

Stadtrundgänge am 19. und 20. Februar : Über Mohren, Hexen und das Wundermittel Wein: Weltgästeführertag in Trier

Gästeführer laden zu spannenden Rundgängen in Trier ein, und das kostenlos: Das gibt es am kommenden 19. und 20. Februar. Worum es geht: Fußball in Trier, Wein in der Apotheke - und der Frage, ob Karl Marx sich heutzutage noch mit seinem Spitznamen „Mohr“ anreden lassen würde. Das komplette Programm des Weltgästeführertages 2022.

Die Cancel-culture ist allgegenwärtig, liebe Leser:innen. Bloß niemanden diskriminieren durch Sprache, Bilder, Darstellungen! Ein stadtbekanntes Café in Trier hat sein altes Schild, das einen – ähem, darf ich`s schreiben?, dunkelhäutigen Patron mittlerweile ersetzt durch eine lustige Kasperlefigur. Die Trierer Kunsthistorikerin Kathrin Baumeister findet es spannend, dieser „Gratwanderung zwischen Tradition und Rassismus“ tiefer auf dem Grund zu gehen.

Nach der heftigen Kontroverse um die Mohrenstraße in Berlin, wo sie immer wieder als Dozentin tätig ist, hat sie deshalb einen kleinen Stadtrundgang konzipiert, in dem sie markante Orte für die zweideutige Bezeichnung des Wortes Mohr zeigt. Karl Marx, erinnert sie, hat sich gerne „Mohr“ nennen lassen, und nicht jede Darstellung eines dunkelhäutigen Menschen muss zwangsläufig rassistisch sein.

„Beim Café ,Mohr‘ beginnend ergründen wir andere Trierer Mohren“, so das Programm, das Baumeister im Rahmen des Weltgästeführertags 2022 erstmals und kostenlos anbietet. Das Motto „Mit Leib und Seele“ nimmt sie dabei wörtlich: Am Schluss des Sinnierens über den wahren Kern des Namens dürfen die Teilnehmer eine bekannte Süßigkeit vernaschen,  ob sie nun Schokokuss heißt oder anders. (Samstag, 19. Februar, 10.45 Uhr, Treffpunkt Georgsbrunnen, Kornmarkt)

 Kicken vor historischer Kulisse: Um 1930 diente der Palastgarten der Reservemannschaft von Eintracht Trier noch als Spielfeld. Die Enkelin von Anton Emmerich (im weißen Trikot) hat 90 Jahre später ein Büchlein über den Palastgarten geschrieben: Kathrin Baumeister.
Kicken vor historischer Kulisse: Um 1930 diente der Palastgarten der Reservemannschaft von Eintracht Trier noch als Spielfeld. Die Enkelin von Anton Emmerich (im weißen Trikot) hat 90 Jahre später ein Büchlein über den Palastgarten geschrieben: Kathrin Baumeister. Foto: Kathrin Baumeister/Anne Heucher und privat

Auch weitere Gästeführer aus Trier, Trittenheim und der Region wollen mit originellen Themen zum bundesweiten Weltgästeführertag am 19. und 20. Februar beitragen. Sie stellen historische Persönlichkeiten vor, die sich mit Leib und Seele für eine Sache eingesetzt haben, erzählen vom Schicksal anderer, die an Leib und Seele bedroht waren, oder führen an Orte, die Balsam für Leib und Seele sind. Alle Führungen sind kostenlos. Im Anschluss erbitten die Akteure eine Spende für die Innenrenovierung der Welschnonnenkirche in Trier. 

Mit Leib und Seele hat sich beispielsweise der Jesuit Friedrich Spee im frühen 17. Jahrhundert als einer der ersten und tapfersten Streiter eingesetzt für die Bekämpfung des Hexenwahns. Dies war hier auch besonders nötig, denn die Verfolgung von Menschen als Hexen war im Trierer Land so ausgeprägt wie fast nirgends sonst in Deutschland.

Gleich zwei Rundgänge nehmen dieses düstere Kapital der Regionalgeschichte in den Blick: Die Stadtführerin Dorothee Serwe schaut auf Friedrich Spee, den Mann, der dem Unrecht mutig entgegentrat (19. Februar, 11.30 Uhr Treffpunkt Trier, Jesuitenkirche). Und Walter Schneider rückt die Geschehnisse des Hexenwahns selbst in den Mittelpunkt seiner Führung unter dem Titel „Brennen, bis die Seele frei ist … Hexenwahn im Trierer Land“. (Sonntag, 12.45 Uhr, Treffpunkt Trier, Grabenstraße, Pranger)

Einer weit verbreiteten Leidenschaft geht Carmen Müller in ihrem Rundgang „Mit Leib und Seele für den Fußball“ nach. „Die Regeln für dieses schon im Altertum bekannten Spiels wurden 1863 in London festgelegt“, erinnert sie, aber erst 1905 war es dann so weit, dass ein Weimarer den ersten Trierer Fußballclub gründete. „Kennt noch jemand die „Nottar-Elf“ aus Trier-Kürenz? Wie war das mit der Gleichschaltung der Trierer Sportorganisationen? Warum fuhren die Trierer so gerne zum Betzenberg?“ (Samstag, 13.30 Uhr, Palastgarten Kiosk)

Und wer wissen will, was Wein mit Heilkunst zu tun hat und wie diese schmeckt, erfährt in der Trittenheimer Apoheke von Marlene Bollig, was es mit dieser seit der Antike kultivierten Steillage an der Mittelmosel auf sich hat und warum der Wein von dort des Menschen Herz erfreut. (Sonntag, 15 Uhr, Moselpromenade, Parkplatz unter der Brücke).

Die weiteren Rundgänge:

  • Wenn Wasser krank macht … Cholera-Epidemien in Trier im 19. Jahrhundert (Wolfgang Döpke, Samstag, 10 Uhr, Hauptmarkt Marktkreuz)
  • Mit Leib und Seele – Waldbaden (Daniela Ganz, Samstag, 14.15 Uhr, Palastgarten, Teich bei den Kaiserthermen)
  • Ora et labora – Der Kreuzgang der Abtei St. Matthias (Bettina Hein, Samstag, 16 Uhr, Abteil St. Matthias, Klosterpforte)
  • Trier mit Leib und Seele – Ein literarischer Spaziergang (Hans-Dieter Biesdorf, Sonntag, 11 Uhr, Porta Nigra, Vorplatz)
  • Adelheid von Besselich (Kostümführung mit Beate Dixius, Sonntag, 12 Uhr, Hauptmarkt, Petrusbrunnen)