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Pulsierend, kreativ, mitreißend

Pulsierend, kreativ, mitreißend

Ein rhythmisches Feuerwerk hat die Band Soleil Bantu um den Kameruner Perkussionisten Biboul Darouiche im Trierer Brunnenhof entfacht. Mit einer Mischung aus Afrobeat und Jazz versetzten die Musiker ihre 400 Gäste in Partystimmung.

Trier. Vor einer Woche war Biboul Darouiche bereits als Begleiter von Jazzsaxofonist Klaus Doldinger im luxemburgischen Beaufort zu erleben. Seit 1995 gehört der 51-jährige Perkussionist, der unter anderem auch mit Al Di Meola, Pee Wee Ellis oder Paquito D\'Rivera zusammengearbeitet hat, zur Stammbesetzung von Doldingers Band Passport. Nun ist er mit seinem eigenen Sextett Soleil Bantu zurückgekommen, dem mit Keyboarder Michael Hornek und Drummer Christian Lettner zwei weitere feste Passport-Mitglieder angehören.
Die Jazzer beschreiten in Trier eher weltmusikalische Pfade, worauf rein optisch schon einige Perkussions-Instrumente, Calimba und archaische Trommeln aus waagerecht ausgehöhlten Baumstämmen hindeuten. Als letztere unter den Holzschlegeln von Miko Watanabe klackernd zu klingen beginnen und sich dazu die dumpf perlenden Bongos von Biboul Darouiche, Lettners Schlagzeug sowie Igor Kljujics Bass gesellen, ist klar: Die Reise geht nach Afrika. Pulsierende Musik mit erdigem Gesang Darouiches in der Bantu-Sprache Ewondo, die rund um seine Geburtsstadt Yaoundé gebräuchlich ist, versprüht Temperament und Lebensfreude.
Die Band wünscht sich, dass die Zuhörer tanzen. Ihnen zuckt es auch sichtlich in den Gliedern, doch nur wenige trauen sich, denn für europäische Tanzbeine ist da etwas Vertracktes an den vielschichtigen, vielfarbigen, teils rasend galoppierenden Beats. Biboul Darouiche kündigt beispielsweise einen Walzer an, der aber dann nichts mit dem vertrauten Dreiviertel-Takt-Schema zu tun hat.
Der Musiker hat aus seiner Heimat Kamerun und von unterschiedlichen Ethnien wie den Pygmäen Rhythmen mitgebracht, die teils im Aussterben begriffen sind. Einige haben 6/8 oder 9/8-Takte mit für europäische Ohren ungewohnten Schlagbetonungen. Nichtsdestotrotz gehen sie unmittelbar ins Blut, was auch ihrer Fusion mit kreativen Jazzelementen zu verdanken ist. Dabei laufen Keyboarder Michael Hornek und Gitarrist Martin Scales, der Doldinger in Beaufort ebenfalls begleitet hat, zu Hochform auf. Sie entwickeln aus afrikanischen Melodien flirrende Improvisationen, in denen auch schon mal Rock oder Funk durchblitzt. Die feurige Mischung verfehlt ihre stimulierende Wirkung auf die vom schönen Sommerabend in historischem Ambiente ohnehin geläuterte Stimmung des Publikums nicht. Es geht kräftig mit und belohnt die Rhythmusfeuerwerker mit donnerndem Applaus.
Am kommenden Donnerstag gastiert der norwegische Saxofonist Geir Lysne mit seinem Septett New Circle beim 21. Jazz im Brunnenhof, Beginn ist um 20 Uhr. ae