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Pure Hingabe, brillante Technik: Mischa und Lily Maisky

Berührend: Mischa und Lily Maisky. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller
Berührend: Mischa und Lily Maisky. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller FOTO: (g_kultur
Bernkastel-Wehlen. Ein fantastischer Abend: Mit dem Auftritt von Mischa und Lily Maisky erreichte das Mosel Musikfestival einen weiteren glänzenden Höhepunkt im Jubiläumsjahr.

Bernkastel-Wehlen. Er ist fraglos einer der größten Cellisten dieser Zeit. Auch mit bald 68 Jahren hat Mischa Maisky nichts an Strahlkraft verloren. Und auch nichts an Exotik. Wie eine Figur aus einem russischen Roman des 19. Jahrhunderts sitzt er im seidenen Bauernkittel oben auf der Bühne im Barocksaal von Kloster Machern. Ein wenig älter ist er geworden. Noch immer umhüllt seinen Kopf die wallende weiße Mähne, dafür ist sein ehemals asketisches Gesicht mit dem scharfen Profil voller und sanfter geworden. Und was das Schönste ist: Mischa Maisky ist noch mehr eins geworden mit seinem Cello.Mosel Musikfestival


An die Mosel hatte der Lette seine Tochter Lily mitgebracht. Die 28-Jährige ist eine talentierte Pianistin. Gleich das Eingangsstück, Franz Schuberts "Arpeggione- Sonate", ist geeignet, die Qualitäten beider Musiker zu demonstrieren. Ihre virtuosen Passagen und ihre seelenvolle Liedhaftigkeit, bieten dem Duo die Möglichkeit, brillante Technik und emotionale Stärke zu verbinden.

Und doch: Auch wenn Lily Maisky durch Frische, Sensibilität und Dialogfähigkeit überzeugt, das packende Erlebnis bleibt Mischa Maisky. Kaum dass er die ersten Takte gespielt hat, schlägt sein Cello die Zuhörer in Bann. Wozu es unter den zupackenden Händen seines Meisters fähig ist, der es versteht, Spannung bis zum Zerreißen zu halten, ist sogleich faszinierend in Astor Piazollas berühmtem "Grand Tango" zu erleben. In seiner Vielfarbigkeit und seinen vielfältigen Temperamenten ersetzt Maiskys Cello eine ganze Tangaband plus Sänger. Angriffslustig, stolz, sogar eitel, kommt es daher, ist Frau und Mann, sehnsüchtig und zuweilen voll dunkler Schwermut.

Als Melodienfetischist bezeichnet sich Maisky gern. Deren Zauber lebt der Cellist in Sergej Rachmaninows ursprünglich für Klavier und Singstimme geschriebenen Stücken lustvoll aus. Selten hat ein Cello so hingebungsvoll von der Tiefe und Weite der Seele erzählt, von den Stürmen des Gefühls, von Sehnsucht und wehmütiger Erinnerung. In Maiskys Spiel klingt der Ertrag eines leidenschaftlich durchliebten und durchlittenen Lebens und der Mut eines Menschen, der sich seiner Gefühlsmacht stellt. Ein grandioser Abend, den die 200 Zuhörer mit viel Applaus bedachten.
Übrigens: Der Auftritt war so etwas wie ein generationenübergreifendes Konzert. Nicht nur wegen Vater und Tochter. Lily Maiskys Notenblätter wendete die zwölfjährige Pianistin Laetitia Hahn. Sie hatte morgens im Cusanus-Geburtshaus ein Solokonzert gegeben. er