Qualitätsmarke sucht Kundschaft

Echternach · Star-Solisten wie Murray Perahia und Daniel Hope, ein legendäres Barockorchester wie Les Arts Florissants, dazu vielversprechende Luxemburger Eigengewächse wie Francesco Tristano: Mit dieser Mischung geht das Festival Echternach in seine 38. Auflage.

 Daniel Hope, gefragter Geigen-Virtuose und vierfacher Echo-Preisträger, spielt mit den Solistes Européens in der Basilika Echternach. Foto: Festival

Daniel Hope, gefragter Geigen-Virtuose und vierfacher Echo-Preisträger, spielt mit den Solistes Européens in der Basilika Echternach. Foto: Festival

Echternach. Alexander Müllenbach ist ein ehrlicher Mensch. Eine "Gratwanderung" sei sein Festival, sagt der Komponist und künstlerische Leiter mit dem malerischen Bart. Die besondere Spiritualität der Spielorte und der Festivallandschaft einerseits. Die Lust des Publikums am Hochglanzevent andererseits. Der bedingungslose Qualitätsanspruch der Festivalmacher einerseits. Das Schielen der "Coca-Cola-Medien" (Müllenbach) auf den Promifaktor andererseits. Das unter einen Hut zu bringen könnte man auch einen Drahtseilakt nennen. Oder, wie Müllenbach formuliert: "Wir müssen unser Publikum fordern, aber wir dürfen es nicht überfordern". Das erfordert ein gutes Händchen.
Aber Ellenbogen braucht es auch, angesichts der Flut hochkarätiger Klassikangebote auf dem kleinen Luxemburger Markt. Müllenbach, der Künstler, bemüht einen Vergleich aus der Wirtschaft, wo "viele kleine Qualitätsmarken von großen, solventen Konzernen kaputtgemacht wurden". Die Anspielung Richtung Philharmonie ist schwerlich zu überhören.
Und dennoch: Man ist um friedliche Koexistenz bemüht - von beiden Seiten. So findet die Vorpremiere des Festivals mit dem großen Pianisten Murry Perahia am 6. Mai in der Philharmonie auf dem Kirchberg statt. Aber das Profil hat sich wieder deutlicher nach Echternach verlagert. Das Trifolion ist zentraler Spielort, neben der Peter- und Paul-Kirche steht auch die - akustisch schwierige - Basilika zwei Mal auf der Agenda. Ein Highlight dort dürfte das Gastspiel der Solistes Européens mit Geiger Daniel Hope am 21. Juni werden.
Die Rückkehr in die Basilika sei auch eine Reaktion auf die Kritik im Vorjahr, räumt Festival-Präsident Georges Santer ein. Er wirbt um Verständnis: Man sei "nach den vielen Veränderungen in der Luxemburger Kulturszene noch in der Findungsphase".
Nicht zur Debatte steht der Qualitätsanspruch. "Wir stehen auf einer Ebene mit Salzburg und anderen großen Festivals", betont Santer. In der Tat: Einen Monteverdi-Abend mit den Arts Florissants unter Paul Agnew (24. Mai, Trifolion) können nur Spitzen-Festspiele vorweisen. Und Namen wie Bernd Glemser (Chopin-Recital am 9. Juni im Trifolion), Dorothee Oberlinger (Flötenkonzert am 16. Juni im Trifolion) oder Lise de la Salle (Klavierkonzert von Mozart am 24. Juni im Trifolion) haben weltweit einen guten Klang.
Festival-Stadt stärker profilieren


Für den zeitgenössischen Part ist der junge Luxemburger Pianist Francesco Tristano zuständig, der gemeinsam mit dem Elektronik-Künstler Moritz von Oswald einen alten und einen neuen Musikgiganten zusammenbringt ("BachCage" am 4. Juni in der Philharmonie).
Was sich alle Beteiligten über das Programm hinaus wünschen, formuliert Trifolion-Chef Ralf Britten: Echternach müsse stärker seinen Charakter als Festival-Stadt profilieren und dabei "eine ganz spezielle Atmosphäre aufbauen und weiter entwickeln".
Auch 2012 wird es im Herbst den Jazz-Teil des Festivals geben. Aber diesmal hat es nicht einmal für eine gemeinsame Pressekonferenz gereicht, die Jazzer haben noch kein Programm. Da wächst offenbar noch nicht so recht zusammen, was eigentlich zusammengehören sollte.
Das komplette Programm mit 17 Konzerten vom 6. Mai bis 1. Juli: www.echternachfestival.lu
Extra

Das Kultur- und Kongresszentrum Trifolion in Echternach ist nicht nur Spielort des Festivals, es gibt dort auch ein umfassendes eigenes Programm. Hier einige Tipps: Jazz-Shooting Star Lisa Bassenge kommt am 11. März auf ihrer "Nur fort"-Tournee. Einen Tanzabend am 15. März mit Musik von Satie bis Piazzolla bieten die Cellistin Judith Lecuit, der Schlagzeuger Bob Morhard, die Gitarristin Mari Fe Pavon und die Tänzerin Sylvia Camarda. Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra gastieren mit "Best of" am 24. März. Das David-Orlowsky-Trio verzaubert am 20. April mit seinen Klezmer-Klängen. Comedian Bernard Hoecker stellt am 21. April sein Programm "Netthamseshier" vor. Das schwule Comedy-Duo Malediva präsentiert am 5. Mai seine "Pyjama Party". Alles Infos zum Programm, aber auch zu gastronomischen Zusatzangeboten unter www.trifolion.lu.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort