1. Region
  2. Kultur

Quasselstrippe, Spaßmacher und Blues-König

Quasselstrippe, Spaßmacher und Blues-König

Er gehört zu den Titanen des Blues. Neben John Lee Hooker, Muddy Waters oder Ray Charles hat B.B. King wie kaum ein anderer den Blues geprägt und ihn für die großen Massen salonfähig gemacht. Vor 2500 Fans zeigt der mittlerweile 85-jährige US-Musiker, dass er immer noch ein großer Entertainer ist.

Esch-sur-Alzette. Der King of Blues lässt sich bitten. Seit zehn Minuten spielt die Band bereits die Rockhal warm. Nur der King ziert sich noch. Zuvor hatte Henrik Freischlader sein Können aufgetischt - ein junger Bluesrocker der neuen Generation. Er könnte locker der Enkel des Blues-Königs sein. Dann betritt der Meister die Bühne, wirft unter Tosen und Applaus Gitarren-Plektrons ins Volk.

Flott auf den Beinen ist Riley B. King nicht mehr mit seinen 85 Jahren. Aber seine unverkennbare Stimme klingt jung und frisch. Er spielt im Sitzen. Doch in seinen Augen funkelt immer noch der Schelm eines Buben. Er flirtet mit den Ladies in der ersten Reihe und flachst mit seinen Musikern herum, die größtenteils ebenfalls Rentenalter erreicht haben. Das Lineup ist dem King nicht so wichtig. Eine Handvoll seiner größten Hits aus seinem nahezu unüberschaubaren Lebenswerk müssen sein - bei "Guess who" wirft King Küsschen ins Publikum und knutscht ins Mikro. Der Opa nimmt sich und das One-more-kiss-before-I-go-Klischee vieler Bluessongs nicht mehr ganz ernst. "The Thrill is gone" wird zu knackigen Funk-Nummer, die B.B. King einige Male unterbrechen muss, weil er viel zu erzählen hat. B.B. King quasselt am liebsten mit dem Publikum.
Einen enthusiastisch zappelnden Fan lobt er für sein flinkes Spiel an der Luftgitarre. "Der Junge ist schnell. Da kommen wir nicht mehr mit", lacht der König des Blues. "Rock me baby" - da darf das Publikum mitsingen; und die Ladies dürfen mit ihren "Boobies" wackeln.
Das gefällt dem King. Ansonsten lacht und grinst er ausgelassen, lässt sich hin und wieder zu einem Gitarrensolo hinreißen oder scherzt mit dem Publikum, lässig auf seine Gitarre gestützt, seine "Lucille". Nacht rund 75 Minuten ist Schluss. Es ist Zeit für den Blues-Dinosaurier. Er bekommt Mantel und Hut gereicht. Die Band spielt noch. Mr. King winkt, wirft noch ein paar Plektrons in die Fan-Traube vor der Bühne und gibt noch ein paar Autogramme. Lucille heißt B.B. Kings Gitarre. Im Grunde hören alle 16 seiner Gitarren auf diesen Kosenamen. Seine Saiteninstrumente nennt er seit den 50er Jahren nach diesem Mädchennamen als Mahnung und Erinnerung. 1949 rettete er seine Gitarre aus einem lichterloh brennenden Club, obwohl er bereits aus dem Haus geflüchtet war. Später erfuhr King, dass der Brand von zwei Männern ausgelöst worden war, die sich um eine Frau namens Lucille stritten. "Abgesehen von richtigem Sex mit einer richtigen Frau gibt es nichts, was mir solch eine innere Ruhe gibt wie Lucille", hatte der King einmal gesagt. zad