Quattropole-Musikpreis: Franzose Hervé Birolini gewinnt in Trier

Musikpreis : Musik für die Augen und ein Sieger aus Metz

Finale in der Tufa Trier: Der mit 10 000 Euro dotierte Quattropole-Musikpreis geht an den Franzosen Hervé Birolini.

Sie können ein Geheimnis bewahren: Schon am 22. Januar haben sich die neun Jury-Mitglieder – ausschließlich Männer – nach Sichtung der Bewerbungen und langer Beratung in Trier auf den Premierensieger festgelegt. Der Name landete in einem Kuvert – aber selbst Kulturdezernent Thomas Schmitt wusste am Freitagabend noch nicht, wem er den ersten Musikpreis des Städtenetzwerks Quattropole (Trier, Saarbrücken, Luxemburg, Metz) überreichen würde. Der Franzose Hervé Birolini durfte sich letztlich über die 10 000 Euro Preisgeld freuen. Die Jury würdigt damit ein Werk, das in seinem Genre einzigartig sei: „Es bietet sehr viel mehr als nur Musik für die Ohren, nämlich auch Musik ohne Klang, Musik für die Augen“, so formulierte es Thomas Schmitt.

Nach den Präsentationen der vier Finalisten war das keine große Überraschung: Birolinis „Exartikulations“ – inspiriert vom österreichisch-ungarischen Komponisten György Ligeti und perfekt auf die Bühne gebracht von Tänzerin Aurore Gruel, Louis-Michel Marion (Kontrabass) und Percussionist Michel Deltruc – war zugleich ambitioniert, inspiriert und stimmig. Wenn auch alles andere als leichte Muse. Auch die weiteren Finalisten sind der Neuen Musik zuzuordnen, wenn auch mit unterschiedlichen Konzepten. So stellte die in London lebende Luxemburgerin Catherine Kontz per Film ihren akustischen Spaziergang durch London vor, „Fleet Footing“, mit 17 Stationen und einer digitalen Karte entlang des überwiegend unterirdisch fließenden Flüsschens Fleet. Der gebürtige Wittlicher Alexander Reiff, der Trier im Finale vertrat, ließ sich bei „Pictures At An Instabition“ zugleich von Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ und von Instagram-Bildern inspirieren. Heraus kamen zehn „30-Sekunden-Opern“, die sich allesamt nicht zu bierernst nehmen. Damit konnte der angehende Lehrer auch schon Schüler für seine Kunst gewinnen. „Das fanden einige gut“, sagt der 27-Jährige. Wahrscheinlich wegen des Instagram-Bezugs und der in Klänge verwandelten Selena-Gomez-Bilder. Ansonsten ist Neue Musik aber eher kein mehrheitsfähiges Schulhof-Thema.

Der Saarbrücker Florian Schwamborn setzte bei „Spiegelung“ auf das Zusammenspiel von Flügel und elektronische Verarbeitung der aufgenommenen Klänge – ein Dialog zwischen Mensch und Maschine.

Mit Mensch-Maschinen kennt sich ein von der Stadt Trier ausgewähltes Jury-Mitglied besonders gut aus. Falk Grieffenhagen ist festes Formationsmitglied von Kraftwerk – der international wohl einflussreichsten deutschen Band. Mit Kraftwerk wird er am 9. Juli in Luxemburg spielen (Abtei Neumünster, ausverkauft).

Von den insgesamt 54 Bewerbungen (davon 20 aus Trier) kamen 16 in die Vorauswahl, die den Jurymitgliedern vorgelegt wurden. „Das war sehr interessant, sehr breit was die Stilistiken angeht. Das macht es als Jurymitglied zwar nicht einfach, hat aber Spaß gemacht“, sagte Grieffenhagen bei der Premienfeier in der voll besetzten Tufa dem Volksfreund. „Da gab es junge Rockbands neben Neue-Musik-Leuten oder performativen Künstlern. Also sowohl populäre als auch sehr ernste Formate – es war eine Herausforderung, das zu vergleichen. Viele hatten aber die gleichen Favoriten“, sagt Grieffenhagen: „Und beim Sieger waren wir uns ziemlich schnell einig.“

Hervé Birolini (Metz, links) ist mit seinem Werk „Exartikulations“ (Mitte) der erste Gewinner des QuattroPole-Musikpreises. Das Foto rechts zeigt die Finalisten Catherine Kontz (Luxemburg) und Alexander Reiff (Wittlich) mit Moderator und Jury-Mitglied Thomas Rath (Opening-Festival). Foto: TV/Andreas Feichtner
Herve Birolini gewinnt den QuattroPole-Musikpreis. Foto: TV/Andreas Feichtner

Roman Schleimer von der Stadt Trier, Vorsitzender der AG Kultur bei Quattropole, spricht von einer gelungenen Premiere: „Es ist uns wichtig, die Quattropole-Städte besser zu vernetzen. Wir wollen den Musikpreis im Wechsel mit dem Robert-Schuman-Kunstpreis verleihen, jeweils alle zwei Jahre.“

Mehr von Volksfreund