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Musikfestivals : „Quintatön“: Ein klingendes Plädoyer für die Kultur

Als Kontrapunkt zu leeren Bühnen und schweigenden Orchestern im Lockdown schließen sich fünf Musikfestivals aus der Rhein-/Mosel-/Saarregion zu einem neuen Format zusammen. „Quintatön“ spielt rund um Ostern fünf Konzerte und setzt damit nachdrücklich ein Zeichen für mehr Wertschätzung der Kultur.

Still soll es an Ostern nicht werden. Lockdown hin oder her. Das haben viele Akteure von Musikfestivals aus der weiteren Region beschlossen. Darunter Tobias Scharfenberger, Intendant des Mosel Musikfestivals, der kürzlich in einem Gastbeitrag für den TV eindringlich diagnostiziert hatte, „dass alle Veranstalter gerade in einem sehr sinkenden Boot sitzen, wenn sie nicht selber schnellstmöglich Visionen und Konzepte entwickeln, wie es in und nach einer Pandemie weitergehen kann“. Und nun wurde „Quintatön“ geboren – eine Initiative, die Musikfreunden an fünf Tagen rund um Ostern Konzerte anbietet. Und noch mehr.

Der Name „Quintatön“ leitet sich ab vom Fachbegriff für ein Orgelregister, in dem der fünfte Teilton, die Quinte, besonders ausgeprägt tönt. Die Initiative verbindet die Musikfestspiele Saar, die Kammermusiktage Mettlach, das Konz Musik Festival, das Mosel Musikfestival und das Internationale Musikfestival Koblenz, „um in der mittlerweile dröhnenden kulturellen Stille den einzigartigen Kulturlandschaften an Saar, Mosel und Rhein in der Karwoche all ihre klingenden Register zur Verfügung zu stellen“. Der Schulterschluss diene nicht zuletzt dazu aufzuzeigen, welche wichtige Rolle den Festivals bei der Versorgung des ländlichen Raums mit hochwertigen Musikangeboten zukomme. Das Projekt solle „nachdrücklich unterstreichen, dass Kultur keine ,Freizeitbeschäftigung’ oder ,freiwillige Leistung’ sein kann, sondern elementarer Bestandteil und zentrales Anliegen von Gemeinschaft ist“.

In diesem Sinne verstehen die Macher der fünf Festivals die zu Ostern geplante Konzertreihe als Signal an ihr Publikum und weit darüber hinaus: „Ein klingendes Plädoyer für die Wichtigkeit und Essenz unserer Kulturlandschaften“.

Für das Programm ab Gründonnerstag hat Quintatön renommierte Musiker ins Boot geholt.

  Bernhard Leonardy, vielfach ausgezeichneter Organist, künstlerischer Leiter zahlreicher internationaler Orgelreihen und gefragter Pädagoge und Experte für die „Königin der Instrumente“, ist der Intendant der Internationalen Musikfestspiele Saar.

Die gefeierte deutsche Geigerin Franziska Hölscher ist mit ihrem ausgeprägten Sinn für dramaturgisch gestaltete Programme seit 2018 für die künstlerische Leitung der Kammermusiktage Mettlach verantwortlich.

Einen Grammy-Nominierten hat das Konz Musik Festival mit ihrem künstlerischen Leiter  Joseph Moog. Er gilt als einer der bemerkenswertesten Pianisten seiner Generation, der sich immer wieder auch stark für Komponisten abseits des gängigen Repertoires einsetzt.

Mit Tobias Scharfenberger übernahm 2018 ebenfalls ein Musiker beim  Mosel Musikfestival, dem größten und ältesten Klassikfestival in Rheinland-Pfalz, die Leitung. Er blickt auf eine 30-jährige internationale Berufserfahrung als Opern- und Konzertsänger zurück.

 Benedict Kloeckner schließlich gründete 2014 sein eigenes Festival – das Internationale Musikfestival Koblenz. Er zählt zu den führenden jungen Cellisten und gastiert als Solist und Kammermusikpartner weltweit.

 Programm:  An fünf aufeinanderfolgenden Tagen, von Gründonnerstag bis Ostermontag, musizieren die fünf miteinander in rund 30-minütigen Online-Streaming-Konzerten, jeweils um 20.15 Uhr. Ein fünfsätziges Werk, Schuberts berühmtes „Forellenquintett“, spielt dabei eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, einen besonderen Blick auf den Reichtum dieser Kulturlandschaft und die verschiedenen Spielorte zu werfen.  „Mit diesem Schulterschluss möchten wir symbolhaft und klingend für den Zusammenhalt der Kultur in der Pandemie stehen“, so die fünf Festivalleiter:innen.

Personell ergänzt wird das Projekt durch die russisch-dominikanische Bratschistin Karolina Errera, den amerikanischen Kontrabassisten Alexander Edelmann – beide studieren an der renommierten Kronberg Academy – und die junge französische Harfenistin Chanel Perdichizzi. Die Wahl der jungen KollegInnen ist nicht zufällig. Die MusikerInnen, Absolventen der Musikhochschulen von Berlin, Düsseldorf und Hamburg, haben erste internationale Erfolge vorzuweisen und stehen am Beginn von vielversprechenden Karrieren, die infolge der Pandemie abrupt ins Stocken geraten sind. Mit ihrem Engagement wollen die Festivalmacher auch auf die Schwierigkeiten für NachwuchsmusikerInnen in dieser Zeit hinweisen.

Unterstützung kommt auch vom bekannten Schauspieler Walter Sittler, der Anfang 2020 mit der Kästner-Inszenierung „Als ich ein kleiner Junge war“ auf der Bühne des Trierer Theaters zu Gast war. Der Darsteller engagiert sich seit vielen Jahren immer wieder in sozialen Projekten. Sittler bringt bei Quintatön seine Erfahrung bei der Gestaltung von musikalisch-literarischen Abenden ein.  So werden die musikalischen Werke von Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Erik Satie, César Franck und anderen mit ausgewählten Texten von AutorInnen wie Erich Kästner, Carolin Emcke oder Brian Cleeve verbunden.

 bild konz musik festival tastenkombinationen 0509
bild konz musik festival tastenkombinationen 0509 Foto: Joseph Moog
 Kulturmacher aus der Region: Schauspielerin Marsha Zimmermann, Musiker Andreas Sittmann, Museumsdirektorin Elisabeth Dühr, Festival-Intendant Tobais Scharfenberger, Buchblogger Florian Valerius, Regisseurin Joya Ghosh, Galerist Laas Köhler, Schauspieler Rainer Laupichler, Theater-Intendant Manfred Langner, Jochen Leuf, Geschäftsführer der Kulturkarawane
Kulturmacher aus der Region: Schauspielerin Marsha Zimmermann, Musiker Andreas Sittmann, Museumsdirektorin Elisabeth Dühr, Festival-Intendant Tobais Scharfenberger, Buchblogger Florian Valerius, Regisseurin Joya Ghosh, Galerist Laas Köhler, Schauspieler Rainer Laupichler, Theater-Intendant Manfred Langner, Jochen Leuf, Geschäftsführer der Kulturkarawane Foto: privat

Gefördert wird die Initiative Quintatön maßgeblich vom Saarländischen Rundfunk, vom Südwestrundfunk sowie einer ganzen Reihe von Sponsoren.