Rainer Zahnhausen zu den Antikenfestspielen: Es wird Zeit, zu "wormsen"

Kontroversen über Ausrichtung und Zukunft der Festspiele hat es auch schon zu den angeblich "seligen Kindermann-Zeiten" gegeben, in denen die folgenschwere und falsche Entscheidung gefällt wurde, die seinerzeitige Betreiber-GmbH aufzulösen und die Festspiele in den Theaterbetrieb einzugliedern.

Kontroversen über Ausrichtung und Zukunft der Festspiele hat es auch schon zu den angeblich "seligen Kindermann-Zeiten" gegeben, in denen die folgenschwere und falsche Entscheidung gefällt wurde, die seinerzeitige Betreiber-GmbH aufzulösen und die Festspiele in den Theaterbetrieb einzugliedern. Festspiele in der anzustrebenden Größenordnung für die Antikenfestspiele kann das Theater aber weder personell noch finanziell stemmen. Weil diese Einsicht fehlt, wird Jahr für Jahr über die Antikenfestspiele endlos diskutiert, ohne dass sie in dieser Zeit auch nur ansatzweise weitergekommen wären. Im Gegenteil: Sie haben sich zu einer meist defizitären Provinzveranstaltung zurückentwickelt, die bundesweit kaum oder gar nicht wahrgenommen wird. Die Entwicklung ist ein Desaster.

Bei der Diskussion wird kontinuierlich übersehen, dass erfolgreiche Festspiele wie in Worms, Bad Hersfeld oder auch Bregenz keineswegs "naturgegeben" in dieser Größe und mit ihrem heutigen Renommee begründet worden sind. Was sie von den Antikenfestspielen unterscheidet, ist indes die Tatsache, dass sie kontinuierlich weiterentwickelt worden sind. Nur am Rande sei erwähnt, dass sich die "Wetterproblematik" bei diesen Veranstaltungen nicht anders darstellt als in Trier, da sie ebenso wenig mediterranen Gefilden zuzuordnen sind wie die hiesige Region. Was bis zum heutigen Tage fehlt, ist die klare und unmissverständliche Entscheidung mit allen sich daraus ergebenen Notwendigkeiten, die Antikenfestspiele als renommierte und überregionale Veranstaltung mit einem scharf umrissenen Alleinstellungsmerkmal zu positionieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Dafür muss man realistisch einschätzen, was so etwas kostet. Und es muss erkannt werden, welches immense - auch wirtschaftliche - Entwicklungspotenzial für die Region in einer Veranstaltung steckt, die überregional, bundesweit und auch international wahrgenommen und frequentiert wird.

Nächster Schritt wäre die Gründung einer eigenständigen Betreibergesellschaft, die sich ausnahmslos um die Festspiele kümmert und dafür mit dem nötigen finanziellen und personellen Equipment ausgestattet wird - vor allem für eine professionelle Sponsoren-Akquise.

Man sollte sich zum Amphitheater als Hauptspielstätte, insbesondere beim Musiktheater bekennen. Das Repertoire bietet dabei genug Möglichkeiten, sich nicht nur an eingefleischte Althumanisten zu wenden.

Die wesentlich kleinere Stadt Worms hat gezeigt, wie man Festspiele "richtig macht". Sie hat eine ganze Menge Geld in die Hand genommen und es geschafft, diese Festspiele in kürzester Zeit als namhafte Veranstaltung zu etablieren, die sowohl national wie auch international wahrgenommen wird.

Es ist allerhöchste Zeit, in Trier endlich zu "wormsen".

Rainer Zahnhausen

Rainer Zahnhausen, Rechtsanwalt und zweiter Vorsitzender des Fördervereins der Antikenfestspiele Trier, setzt sich bereits seit Anfang der 90er Jahre für die kulturelle Nutzung der antiken Stätten in Trier ein.

Mit Rainer Zahnhausen schließen wir unsere Experten-Reihe. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Expertenvorschläge und der Leser-Reaktionen in der Samstag-Ausgabe.

SERIE: "WAS WIRD AUS DEN ANTIKENFESTSPIELEN?"

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