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Ralf Bauer als Quotenbringer

Ralf Bauer als Quotenbringer

TRIER. Mit der Saison 2003 haben die Antikenfestspiele bewiesen, dass künstlerischer Erfolg, gute Publikumsresonanz und finanzielle Solidität kein Widerspruch sein müssen. 2004 werden die letzten Lukas-Kindermann-Festspiele - und viele Fragen sind bislang ungeklärt.

Man nehme einen Kult-Star vom Fernsehen, packe ihn in römische Kluft: Schon stürmt das Publikum die Arena. Sage und schreibe 111 Prozent betrug die Platz-Auslastung bei "Julius Caesar" im Amphitheater. Intendant Heinz Lukas-Kindermann kann bei der Bilanz-Pressekonferenz im Rathaus noch genau den Tag benennen, als der Run auf den Shakespeare-Schinken begann: "Das war, als wir bekannt gaben, dass Ralf Bauer den Mark Anton spielt."Bei Wagners Opern-Rarität "Rienzi" waren immerhin 81 Prozent der Plätze besetzt - mehr als die Hälfte davon laut Kindermann von aus der Ferne angereisten Wagner-Fans.Zusammen mit dem erfolgreichen Kinder-Opern-ABC ergibt das 13 165 Besucher und 94,5 Prozent Auslastung - rekordverdächtige Zahlen, kamen doch im Vorjahr gerade mal 11 000. Kein Wunder, dass Kulturdezernent Holkenbrink das "schwarze Zahlen-Ergebnis" (3000 Euro Überschuss) lobt und Finanzchef Reichert die "idealen Wetterbedingungen" hervorhebt.In die Verlegenheit, die Arena als Ausweichstätte zu nutzen, wird man 2004 gar nicht erst kommen. Alle Produktionen finden in den Kaiserthermen statt, ausgewichen wird im Zweifelsfall ins Theater. Weil dort nur 600 Zuschauer Platz finden, in den Thermen aber 900, erleben die "Schönwetterkarten" eine Neuauflage.Die Zahl der Produktionen wird wieder aufgestockt, der Intendant stellt "drei starke Frauen" in den Mittelpunkt. Orffs Oper "Antigonae", wahrscheinlich mit Spezial-Orchester aus München, Offenbachs Operette "Die schöne Helena" mit dem Trierer Orchester sowie Aristophanes' Komödie "Lysistrata", eventuell in Kooperation mit Luxemburg, sollen Einheimische und Touristen anlocken.Das Geld für die Zusatz-Produktion will der Intendant bei der Spielstätte "herausholen", lässt sich doch nach seiner Einschätzung in den Thermen weit kostengünstiger arbeiten als im aufwändigen Amphitheater.Herrscht in Sachen Bilanz eitel Sonnenschein, so sind bei der Zukunftsplanung allerlei Gewitterwolken zu entdecken. Offenbar hat die Stadt dem "Gründer und Erfinder der Festspiele" (Kindermann über Kindermann) über 2004 hinaus keine Rolle mehr zugedacht. Nicht einmal mit einem Regie-Auftrag mag Dezernent Holkenbrink winken. Das sei "alles Sache des neuen Intendanten", lässt er knapp verlauten.Kindermann zeigt sich gegenüber der Presse sichtlich pikiert, dass "mit mir als Mutter des Unternehmens bisher niemand ein Wort gewechselt" habe. Er werde sich "mit Freunden der Festspiele demnächst Gedanken über deren Zukunft machen", so seine sibyllinische Auskunft.