1. Region
  2. Kultur

Raus aus dem Ü30-Ghetto!

Raus aus dem Ü30-Ghetto!

"Too young to die, too old to rock'n'roll" - zu jung zum Sterben, zu alt zum Tanzen? In der Disco- und Clubszene wird streng nach Altersklassen unterschieden. Die beiden Trierer DJs Axel Schweiss und Carnage 23 sind dies leid. Mit zwei neuen Partyreihen möchten sie die Generationen auf der Tanzfläche vereinen.

Trier. Ab 30 wird's hart. Nicht nur für Fußballprofis. Die Jugend drängt nach. Erst ist es nur ein Gefühl - "Was sind die alle so jung hier!" -, doch peu à peu wird der Verdacht zur Gewissheit: Man ist zu alt geworden. Zu alt für Discos und Clubs.
Als gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz, welches da besagt: "Mit 30 sollst du Häuser bauen, Kinder zeugen und Bäume pflanzen, aber doch bitte nicht mehr tanzen!" Natürlich leiden die Frühsenioren. Wer als Teenager und Twen Nächte durchgetanzt hat, spürt den Entzug, den Phantomschmerz. Die Lust ist noch da, allein der Weg zur Tanzfläche scheint unüberwindbar.Die traurigsten Partys der Welt


Gastronomen mit Gespür haben dies erkannt. Sie veranstalten Ü30- und Ü40-Feten. Es sind die traurigsten Partys der Welt. Weil dort nicht der Augenblick gefeiert wird, sondern die Vergangenheit. Die Beteiligten erinnern sich daran, wie viel Spaß sie einst hatten. Damals, als "Billie Jean", "Sing Hallelujah" und "Horny" noch neu und aufregend waren.
Auch sind solche Feten, ohne dass ein Diskriminierungsbeauftragter einschreiten würde, eine Form der Generationenapartheid. Sie signalisieren: Wer jenseits der 30 und 40 ist, erfährt eine Sonderbehandlung - der erste Schritt zum Tanztee im Seniorenheim.
Genau das will Alois Kramp alias Axel Schweiss verhindern. Die Trierer DJ-Legende bespielt seit Jahren ein Publikum aller Altersklassen und hat dieser Tage den Zeitgeschmack auf seiner Seite. Seitdem Pharrell Williams im Verbund mit Robin Thicke und Daft Punk die gute alte Discomusik clubfähig gemacht hat, erfahren auch die Originale wieder Beachtung. Gemeinsam mit seinem Partner aus Nach-der-Arbeit- und Singleparty-Zeiten, Dominique Koch alias Carnage 23, geht er daher gleich mit zwei neuen Fetenreihen an den Start.
Die erste hat bereits ihre erfolgreiche Premiere hinter sich. Mit der "180-Minuten-Party" haben Axel Schweiss und Carnage 23 bewiesen, dass man mit arbeitnehmerfreundlichen Veranstaltungszeiten - Punkt 24 Uhr endet der Spaß - auch an einem Dienstag Menschen vom heimischen Sofa locken kann. Die Altersspanne reichte dabei von 19 bis 59, das musikalische Repertoire von 1974, dem Durchbruchsjahr der Discomusik, bis 2014.Gäste bestimmen Programm


Mit der "Schweissperlen"-Party, die am 28. November im Kasino am Trierer Kornmarkt stattfinden wird, gehen die beiden noch einen Schritt weiter. Die Gäste selbst bestimmen das Musikprogramm. Denn hinter dieser Fete steht die von Schweiss gegründete Facebook-Gruppe "Schweissperlen & Jugendsünden", in der die Mitglieder ihre Lieblingssongs posten können. Auf diese Weise ist im Laufe weniger Monate ein Fundus von über 1000 Liedern aus fünf Jahrzehnten entstanden.
Genug Material für zahlreiche Feten - und interessante Songübergänge. Spätestens wenn Marvin Gayes "Got To Give It Up" (1977) auf das verblüffend ähnliche "Blurred Lines" (2013) von Robin Thicke folgt, begreift man, dass Tanzmusik eine zeitlose Angelegenheit ist.