Reif für die Insel

WITTLICH/TRIER. In einem bislang einmaligen Kooperationsprojekt zieht das Trierer Theater als m obile Jugendproduktion über Land. Mit dem Stück "Robinson&Crusoe", das am Dienstag in Wittlich Premiere feiert, sollen Schüler von der vierten bis zur siebten Klasse angesprochen werden.

Der Erfolg des kleinen, aber spannenden Stücks "Klamms Krieg", das es in der letzten Spielzeit auf 35 Klassenzimmer-Aufführungen brachte, hat den Weg geebnet für einen neuen, größeren Versuch. Intendant Gerhard Weber fand in den Landräten der Kreise rund um Trier ebenso Kooperationspartner wie bei der Landesregierung und der Koch-Stiftung. Gemeinsam brachte man Produktionskosten von rund 40 000 Euro zusammen, die es ermöglichen, bis Ende Mai wöchentlich mit einem Jugendstück in Schulen der Region zu gastieren. Ein "richtiges Stück mit allem Drum und Dran" verspricht Regisseurin Indira Rautenberg. Die Schul-Aulen oder Turnhallen werden sich in ein echtes Theater verwandeln, mit Bühnenbild, Beleuchtung und allem, was dazugehört. Bis zu 150 Zuschauer pro Aufführung sind möglich, deshalb tun sich jeweils mehrere vor Ort liegende Schulen zusammen. Schulartübergreifend sollen alle Schüler zwischen neun und 13 Jahren angesprochen werden. Da ist es gar nicht so einfach, ein passendes Stück zu finden. Mit "Robinson & Crusoe" hat sich Theaterpädagogin Sylvia Martin für eines der meistgespielten Kinder- und Jugendstücke der letzten Jahre entschieden. Es geht um zwei gegnerische Soldaten, die auf einer einsamen Insel in Gestalt eines Hausdaches mitten im Meer gestrandet sind. Sie sprechen nicht die gleiche Sprache, können sich nicht leiden - und merken dann, dass sie nur gemeinsam überleben können. Das klingt ein bisschen nach Kirchentags-Lyrik, aber Indira Rautenberg verspricht, dass das Nachwuchspublikum "definitiv keinen moralischen Zeigefinger" befürchten muss. "Viele komische Momente" soll es auf dem Dach geben, schließlich spielt man für Zuschauer, die, wie der Intendant vermutet, "sonst wenig Berührungspunkte zum Theater haben". Dass es schwierig sein könnte, 150 Kinder eine Stunde lang konzentriert bei der Stange zu halten, davor hat die Regisseurin keine Angst. Schließlich verfügen ihre beiden Hauptdarsteller Alexander Ourth und Jan Brunhoeber über reichlich Erfahrung mit Jugendtheater. Die Truppe freue sich auf die "superspannende Erfahrung" in theater-ungewohntem Ambiente.Nur noch zwei Termine für Schulen frei

Die Nachfrage war kein Problem. 13 der 15 freien Termine bis Mai sind schon vergeben, nachdem Projektleiterin Elke Reiter die Schulen angeschrieben hatte. Die gelernte Schauspielerin und Clownin kümmert sich auch um die Vor- und Nachbereitung vor Ort. Wenn die Vorstellungen auf große öffentliche Resonanz stoßen, schließt Gerhard Weber eine Verlängerung in die nächste Spielzeit hinein nicht aus. Damit auch das "normale" Theaterpublikum sich ein Bild machen kann, sind fünf frei verkäufliche Vorstellungen im Studio angesetzt. Für den Intendanten ist "Robinson & Crusoe" ein "erster Schritt". Das Theater würde sein Angebot gerne ausweiten, eine zweite Produktion für ältere Schüler war angedacht, musste aber zurückstehen. "Klamms Krieg" soll wiederkommen, weitere Einrichtungen wie der Lehrerstammtisch, die Schulkonzerte und die Kurs-Angebote für Kinder werden gut nachgefragt. Das Theater hat Kurs auf den Nachwuchs genommen. Regiopremiere am 10. Januar in Wittlich. Erste Aufführung im Studio: 13. Januar, 16 Uhr.