Reife Herbstfrüchte

Reife Herbstfrüchte

Nach dem verhaltenen Einstieg im September lockt die Luxemburger Philharmonie im Oktober mit Stars wie John Eliot Gardiner, Valery Gergiev und Diana Krall. Und hat im Programm auch Exquisites für Konzertmüde parat.

Luxemburg. Die reifen Früchte hängen im Weinlesemonat Oktober nicht nur an den Rebstöcken. Auch im Monatsprogramm der Luxemburger Philharmonie reihen sich die gehaltvollen Events. Zwei Großmessen der Musikgeschichte sind dabei. John Eliot Gardiner, sein Monteverdi Choir und sein Orchestre Révolutionai re et Romantique werden bei Beethovens "Missa solemnis" zweifellos neue Akzente setzen (3. Oktober). Und unter Pierre Cao eröffnen das Ensemble Arsys Bourgogne und die Berliner Akademie für Alte Musik Wege zu Bachs Messe in h-Moll, dem letzten Werk des Thomaskantors (18. Oktober).
Auch das übrige Programm ist für Entdeckungen gut. Wer kennt Karol Szymanowski (1882-1937) außerhalb seiner polnischen Heimat wirklich? Das London Symphony Orchestra unter Valery Gergiev präsentiert in zwei Konzerten (8./9. Oktober) die Sinfonien Nr. 1 und 2 des unterschätzten Genies und bringt für sein 1. Violinkonzert Janine Jansen als Solistin mit. Und das Orchestre Philharmonie du Luxembourg (OPL) liefert unter dem Titel "Celtic Connections" klingende Porträts von Peter Maxwell Davies und James MacMillan (19. Oktober), wobei das Philharmonie-Foyer im Anschluss noch großzügig mit Highlander-Musik der Luxembourg Pipe Band beschallt wird. Außerdem haben die Schlagzeuger des OPL einige Tage zuvor eine Hommage zum 100. Geburtstag von John Cage im Gepäck (14. Oktober) und das gesamte Orchester liefert gegen Monatsende die akustische Ausstattung zum "Rosenkavalier"-Stummfilm von 1925 (26. Oktober). Wer einmal hinter die Klangkulissen schauen will, kann erleben, wie das OPL mit Dirigent Lawrence Renes und Studenten der Luxemburger Konservatorien Tschaikowskys Vierte erarbeitet (13. Oktober). Schließlich wird Jazz-Diva Diana Krall mit ihrer Band den großen Saal zum Tönen bringen (21. Oktober).
Wem das zu gewaltig ist, für den schlägt im Oktober die Stunde der Kammermusik. Beim ausverkauften Beethoven-Konzert des Hagen-Quartetts (5. Oktober) hilft allerdings nur noch der Gang zur Abendkasse. Wer da nicht zum Zuge kommt, wird sicherlich von Trompeter Philippe Schartz und Chris Williams am Klavier entschädigt (8. Oktober). Der Liederabend von Mezzosopranistin Christianne Stotijn und Begleiter Julius Drake dreht sich nicht, wie üblich, ums deutsche Lied, sondern präsentiert mit Rachmaninow, Mussorgsky und Grieg Interessantes aus den Randbezirken der Gattung (16. Oktober). Star-Geiger Thomas Zehetmair und Bratschistin Ruth Kilius präsentieren Spannend-Modernes fürs Streicherduo (23. Oktober). Bei Pianistin Cathy Krier und den Noise Watchers Unlimited kommt auch die Luxemburger Moderne zur Wort - unter anderem mit Claude Lenners. Und in der Reihe "Rising Stars" spielt Igor Levit neben Beethovens Klaviersonaten, op. 101 und op. 106, die 24 Préludes von Dmitri Schostakowitsch - das "Wohltemperierte Klavier" des großen Russen (25. Oktober).
Ein interregionaler Paukenschlag wird sich Ende des Monats ereignen (22. Oktober): Zum 25-jährigen Bestehen des Richard-Wagner-Verbands Trier-Luxemburg unternehmen die Solistes Européens mit Auszügen aus "Lohengrin", "Holländer", "Tristan", der "Walküre", "Götterdämmerung" und "Meistersinger" einen Ausflug in die Musikdramatik des Bayreuther Meisters. Für alle Wagner-Fans zweifellos ein Muss!
Karten gibt es telefonisch (00352/26322632) und im Internet auf www.philharmonie.lu

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