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Reingehört: Eveline Hall "Just A Name"

FOTO: (g_kultur
Die 69-jährige Eveline Hall ist auf dem besten Weg, ein Rockstar zu werden. Der Name kommt Ihnen bekannt vor? Stimmt, da gab’s schon mehrfach was. Jörg Lehn

Das grauhaarige Topmodel aus Hamburg lief - nach einer Karriere als Showgirl, Schauspielerin und Primaballerina der Hamburger Staatsoper - zum Beispiel für Jean-Paul Gaultier über den Laufsteg und sorgte jüngst mit einem Zalando-Spot für Furore. Mit rauchiger, gänsehauterregender Stimme will sie jetzt als Rockdiva mit ihrem Debütalbum "Just A Name" eine weitere Sprosse ihrer Karriereleiter erklimmen. Mit ihrem Produzenten Franz Plasa hat sie elf Songs aufgenommen (Gesamtspielzeit: mehr als 42 Minuten), die wirklich rocken. Ihre Stimme geht unter die Haut. Unglaublich stark schon der Einstieg mit "Carved Into A Stone", der gleichzeitig ihre erste Single darstellt. Düstere Gitarrenklänge und clubtaugliche Beats, darüber schwebt Halls Reibeisenstimme. Ein dramatisches Schwarz-Weiß-Video zu diesem Titel hat Kim Frank, der ehemalige Frontmann der Popband Echt, auf Island gedreht. Ähnlich spannend klingen die Rockballaden "Drive Me Down", "Friendship Eyes" und "So Many Angels", das eher hymnische "Strange" oder auch das finstere "Brothers And Sisters". Neben den fünf Titeln des Duos Hall/Plasa bietet das Album mit "Enfin Chanter" und "Symphonie" sowohl zwei Chansons als auch Coverversionen zweier geradezu klassischer Rocktitel: "Riders On The Storm" von The Doors und eine enorm entschleunigte Fassung von "House Of The Rising Sun" der Animals. Beide Varianten bieten Überraschungen und beten nicht nur schon tausend Mal Gehörtes einfach nach. Bisweilen wird der Hörer an düstere Titel etwa des Australiers Nick Cave oder Stücke von Grace Jones wie "Slave To The Rhythm" erinnert. Ein in jeder Hinsicht gelungenes Debüt! Wenn man es genauer bedenkt, sind die männlichen Rockstars von Mick Jagger und Paul McCartney bis Bob Dylan auch längst um die 70 oder darüber, Leonard Cohen ist sogar schon 80. Bei den Frauen fallen mir nur Joan Baez und Marianne Faithfull ein. Aber die singen alle schon gefühlt ewig. Ein Debüt startet mit rund 70 eigentlich niemand mehr. Chapeau, Eveline Hall! Jörg Lehn Eveline Hall: Just A Name, Ponk! Bring Me Home, CD: 233952P, LC-Code: 29973, Hamburg 2015, Vertrieb: Membran