Reingehört

Die Berliner Sängerin Dota, mit bürgerlichem Namen Dorothea Kehr, hat dieses Jahr ein neues Album veröffentlicht, und es klingt fast, wie man es von der selbsternannten "Kleingeldprinzessin" mittlerweile erwartet - aber eben nur fast: Der typische Singer-Songwriter-Sound, die heiteren bis düsteren Melodien, die zuckersüßen bis bitterbösen Texte werden ergänzt um ungewöhnlich elektronische Klänge. Die Synthesizer-Experimente des neuesten Albums sind das nächste Kapitel in einer konsequenten stilistischen Entwicklung vom Liedermacher-Gitarrenpicking zu immer breiteren Band-Arrangements.

Folkiger Pop wird plötzlich von verzerrten Gitarren zerrissen ("Mantel") oder stellt das Keyboard des neuesten Bandmitglieds Jonas Hauer mit elektronischen Grooves in den Mittelpunkt ("Vergiftet"). Doch stets dient die Musik den Texten. Dota verbindet mit einer verspielten Lakonie Weltbewegendes und Belanglosigkeiten und stellt subtil in Frage, was denn nun was ist, wenn sie singt: "Manche glauben an die Krise und reden von Sicherheit./Viele machen Yoga und manche surfen Kite." ("Spiegel der Zeit") Mal sind die Texte dunkel und kryptisch ("Mantel"), mal fast plump in der Offensichtlichkeit und Einfachheit ihrer Botschaft ("Grenzen"): Wenn Dota den Grund für die Problem der Welt zusammenfasst als "Es gibt Grenzen", dann ist das keine hohe Kunst, aber dennoch (oder gerade deswegen?) hochaktuell. Einen der Höhepunkte des Albums stellt auf jeden Fall der atmosphärische Titelsong "Keine Gefahr" dar. Zerbrechlicher Gesang und ein minimalistisches Arrangement werden mit einem dezenten elektronischen Beat beschleunigt, um plötzlich mit minimalistischen Trance-Anleihen geradezu hypnotisch tanzbar zu werden. Insgesamt legen Dota und ihre Bandkollegen ein charmantes Album mit Stärken und vernachlässigbaren Schwächen vor. Adrian Froschauer Dota: "Keine Gefahr", Kleingeldprinzessin Records 2016, LC 09274, 260093 180201.