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Reise durch barocke Welten

Reise durch barocke Welten

Evelyn Czesla, Sopranistin am Theater Trier, hat gemeinsam mit dem Ensemble "Viaggio Musicale" eine CD mit barocken Liedern und Arien veröffentlicht. Das Album mit dem Titel "Incantare" erweist sich als musikalische Fundgrube auf hohem Niveau.

Trier. Schon vor sieben Jahren entwickelte Evelyn Czesla, damals noch in Darmstadt, mit hochkarätigen Solisten und Orchestermusikern das Projekt "Viaggio Musicale", einen Streifzug durch die Musik des Barock. Auf Original-Instrumenten widmete man sich intensiv weniger bekannten - und teilweise eigenhändig wieder entdeckten - Werken der Alten Musik. Dokument dieser Arbeit ist die in St. Irminen aufgenommene CD "Incantare". Sie präsentiert ein räumlich und zeitlich breites Spektrum vom italienischen Frühbarock über Frankreich und Spanien bis hin zu Georg Philipp Telemann und dem sich ankündigenden Übergang zur Wiener Klassik.Czesla und ihr Ensemble zeigen sich dabei allen sprachlichen und stilistischen Finessen gewachsen. Ob folkloristisch-tänzerisch wie bei den "Folias" des Spaniers Luis de Briceno, ob innig-idyllisch wie beim Schäferlied des Franzosen Michel Lambert, ob große Oper wie bei Cavallis "Calisto" oder Monteverdis "Poppea": Das "Viaggio Musicale" findet für jedes Stück eine eigene, präzise austarierte, virtuos buchstabierte musikalische Sprache. Die Stücke sind auch so geschickt ausgewählt, dass alle sechs Instrumentalisten (Susanne Apfel und Ethem Emre Tamer, Barockvioline; Johanna Seitz, Barockharfe; Claas Harders, Gambe; Toshinori Ozaki, Laute; Egon Mihajlovic, Cembalo) Gelegenheit haben, mit ihrem exzellenten Handwerk zu glänzen. Besonderen Spaß macht die Wiederentdeckung des italienischen Komponisten Giulio Caccini, der Ende des 16. Jahrhunderts Pionier war bei der Entwicklung klarer Regeln für den Gesangstil. Selbst Sänger, wurde er zu einem Wegbereiter des Belcanto. Wer seine vier Arien auf dieser CD aufmerksam hört, entdeckt musikalische Entwicklungslinien, die sich später bei Rossini und Donizetti, ja sogar beim frühen Verdi wiederfinden. Evelyn Czesla ist in diesem Metier zu Hause, findet spielerisch leicht den Zugang sowohl zu emotionaler Tiefe als auch zu rhetorischem Funkeln, wie etwa bei Telemanns ironischem "Frauenzimmer". Eine schlanke, mühelos geführte, von Schärfen freie Stimme, die Barock-Erfahrung und Souveränität ausstrahlt.Unterm Strich eine lohnenswerte CD, die Kennern Spaß macht und Einsteigern ein breites Stimmungsbild der Barockmusik liefert. Schade, dass das Cover so wenig Informationen über die einzelnen Stationen der musikalischen Reise enthält - da wird man öfter googeln müssen, wenn man mehr wissen will als das Geburtsdatum des jeweiligen Komponisten.Wer diese musikalische Welt auch live kennen lernen will, kann sie im Rahmen des Mosel-Musikfestivals erleben. Warum man dafür allerdings bis zum 2. Oktober warten und nach Traben-Trarbach fahren muss, erschließt sich nicht. Ein "Heimspiel" für Evelyn Czesla in Trier wäre sicher angesagt. "Incantare" ist in Trierer Musikgeschäften, an der Theaterkasse oder unter www.viaggio-musicale.de erhältlich.