Rekorde an der Orgel

Rekorde an der Orgel

TRIER. Unkonventionell und virtuos sind die sommerlichen Orgelkonzerte in der Konstantinbasilika zu Ende gegangen. Mit dem Engländer Wayne Marshall war ein Musiker zu Gast, dessen eigene Handschrift die zu interpretierenden Werke prägt.

Achtmal lud die evangelische Kirchengemeinde Trier zu ihren sommerlichen Orgelkonzerten, und achtmal wurde dieses Angebot gerne von den Besuchern angenommen. Ein Erfolg also auch in diesem Jahr. Für das Finalkonzert reiste mit Wayne Marshall ein Künstler aus England an die Mosel. Marshall hat sich nicht nur als Organist einen Namen gemacht, er ist auch als Dirigent und Pianist bekannt, komponiert und gestaltet unter anderem bei der britischen Rundfunkanstalt BBC Fernseh- und Hörfunksendungen. Ein vielseitig begabtes Multitalent also, das am Spieltisch der Schukeorgel Platz nahm. Bei seinem äußerst umfangreichen, fast zwei Stunden dauernden Programm wurde man ein wenig an Schlagzeilen der letzten Wochen erinnert, in denen von Geschwindigkeitsrekorden von Diesel- und Elektrofahrzeugen die Rede war. In dieser Rubrik könnte man nach dem Konzert melden: "Franz Liszts Fantasie und Fuge über den Choral ,Ad nos, ad salutarem undam´ erstmals deutlich unter 25 Minuten gespielt". Zugegeben, als Musikrezension klingt das bösartig, ist aber nicht so gemeint. Tatsache war, dass man bei Marshalls Spiel alle herkömmlichen Interpretationsvorstellungen am besten an der Abendkasse abgab. Mit absoluter Souveränität jagte der Brite über die Tasten, ließ dabei, zumindest soweit man das bei den Tempi beurteilen konnte, keine der vorgeschriebenen Noten aus. Wer sich mit konventionellen Einstellungen Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur, BWV 552, anhörte, war natürlich verloren. Nichts von Erhabenheit, von feierlicher Größe. Historiker würden von Frechheit sprechen, von der Unmöglichkeit, Bach im Tutti einer Orgel zu interpretieren. Aber: Bei allem Nonkonformismus kann man Marshall nicht unterschlagen, dass sein Abend spannend und unterhaltsam war. Die Höhepunkte hatte der Musiker jedoch mit zwei Improvisationen an den Anfang und an das Ende seines Konzertes gesetzt. Schon zu Beginn wurde in seiner Stegreif-Orgelmesse deutlich, was man zu erwarten hatte. Virtuosität pur, mit vielen Jazzanteilen, musikalisch durchdacht und faszinierend dargestellt. Am Ende beschäftigte sich der Brite mit der deutschen Nationalhymne. Gleich einer Partita ließ er die sonst so erhabene Melodie durch sein Kaleidoskop laufen, verwandelte sie in allen denkbaren und auch undenkbaren Formen und setzte sie zusammen. Ein amüsantes Vergnügen, ihm zuzuhören.