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Religion rechtfertigt keinen Krieg

Religion rechtfertigt keinen Krieg

Kardinal Marx und Bischof Huber diskutieren im Echternacher Trifolion über Möglichkeiten des Friedens.

Trier Wenn es um große sozialpolitische Themen geht, hält Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und einer der engsten Berater von Papst Franziskus, selten mit seiner Meinung hinter dem Berg. Jovial und volksnah präsentiert sich der ehemalige Trierer Bischof weniger als Geisteswissenschaftler denn als Oberhirte seiner katholischen Glaubensfamilie. Im luxemburgischen Echternach bahnt er sich am Dienstag mitten durch das 450-köpfige Publikum händeschüttelnd seinen Weg zum Podium im Kulturzentrum Trifolion. In der Reihe "Horizonte" spricht er zusammen mit Wolfgang Huber, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, einem Mann mit messerscharfem Intellekt, großem Wissen und - wie sich in seinem flammenden Appell für Frieden und Verständigung zeigen wird - einem noch größeren Herzen.
Es geht um die ganz große Frage, ob die Religion heute "Kraft des Friedens oder Ursache des Krieges" ist, moderiert von Professor Fleckenstein von der Luxembourg School of Religion and Society. Im Laufe der Diskussion zeigt sich - für viele Zuschauer überraschend -, wie einig sich Katholiken und Protestanten doch darin sind, wie eine Gesellschaft auszusehen hat: pluralistisch (auch in Bezug auf die angestrebte Ökumene), freiheitsliebend, menschenfreundlich, lebensbejahend (Marx: "Man muss auch gemeinsam feiern können, so wie heute hier bei der Springprozession!") und pazifistisch im Sinne der Bergpredigt. Das Gewaltmonopol dürfe allein beim Staat liegen, der auf gemeinsam definierten Werten und Wahrheiten fußt.
Huber merkt in Bezug auf den aktuellen islamistischen Terror an, dass man nicht eine ganze Religionsgemeinschaft verantwortlich machen dürfe für die Taten Einzelner, die zwar in der westlichen Welt lebten, aber mit der herrschenden Kultur nicht klarkommen.
Kriege aus Gründen der Religion seien immer ein Missbrauch derselben, sagen beide, durchaus im Bewusstsein der Schuld, die die Kirche in früheren Zeiten auf sich geladen habe. Eine Welt ohne Gewalt sei allein schon aus evolutionären Gründen utopisch, die Religion habe jedoch die Aufgabe, diese zu zähmen, ergänzt Marx. Konkret kritisiert Marx die Waffenexporte des Westens an Saudi-Arabien, das radikale Muslime unterstütze. Und Huber fordert die Rücknahme der Entscheidung der Fifa, die Fußball-WM 2022 in Katar auszurichten.
"Diese zwei Kirchenmänner scheinen in der heutigen Realität angekommen zu sein und machen gemeinsam Hoffnung", sagt eine Dame aus dem Publikum.
In der Veranstaltungsreihe "Horizonte" im Trifolion Echternach spricht am Dienstag, 13. Juni, um 20 Uhr der Orient-Experte und Publizist Michael Lüders zum Thema "Wer den Wind sät - was westliche Politik im Orient anrichtet"