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Renn, wenn du kannst!

Renn, wenn du kannst!

Mit einer fulminanten Lasershow und ausgezeichnetem Sound beeindruckte die Pink-Floyd-Tribute Band "The Australian Pink Floyd Show" 2000 Fans in der Arena in Trier. Setzte ihr Auftritt vor zwei Jahren den Schwerpunkt auf die psychedelischen Stücke der Kult-Band, so standen beim diesjährigen Auftritt auch politische Songs auf dem Programm, darunter "The Fletcher Memorial".

Trier. Es ist ein sperriger Song, er passt so gar nicht zu dem, was man von Pink Floyd gewöhnt ist. Kein dicker Soundteppich, sondern minimalistische Gitarren-, Schlagzeug- und Synthesizer-Begleitung kennzeichnen ihn: "The Fletcher Memorial" hat Band-Gründer Roger Waters 1983 geschrieben.
Er klagt damit all die Herrscher dieser Welt an, die Krieg und Elend verursachen. Er widmete ihn seinem Vater Eric Fletcher Waters, der 1944 in Italien im Kampf gegen Hitler-Deutschland fiel.
Politisch, aber nicht bierernst


Auch wenn der Song aus dem Jahr 1983 stammt, bleibt er - vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krisen wie etwa dem Krieg in Syrien - hochaktuell. Der Tribute Band "The Australian Pink Floyd Show", gelingt es am Freitagabend vor 2000 Besuchern in der Arena in Trier, diesen Song authentisch und sehr eindringlich zu spielen.
Sie erinnert damit daran, dass die Band Pink Floyd auch immer wieder Songs mit politischem Hintergrund gespielt hat, wenn auch nicht so bierernst und moralinsauer, wie manche zeitgenössische Liedermacher das vielleicht getan haben. Hinter all dem Pop und der Sound-Pracht steckt bei Pink Floyd eben auch Ernsthaftigkeit.
Während des dreistündigen Auftritts der Band gibt es aber auch jene Songs zu hören, die Rockgeschichte geschrieben haben, darunter "Wish You were here" vom gleichnamigen Album, oder "Brain Damage" (Dark Side of the Moon).
Auf der kreisförmigen Leinwand hinter der Bühne laufen dazu die entsprechenden Videos - Weizenfelder, Menschenmassen, Bürgerkriege und sogar US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sind da zu sehen.
Unter dem Titel "Das Beste vom Besten" präsentieren die australischen Musiker Songs aus 50 Jahren Bandgeschichte und 15 Pink-Floyd-Alben. Wuchtige Klangteppiche, psychedelische Synthesizer-Klänge, spektakuläre Laser-Projektionen und Videos bieten so ein multimediales Gesamtkunstwerk, das alle Sinne erfüllt und das Publikum mitreißt. Chris Barnes und Ricky Howard singen kraftvoll und textsicher, Steve Mac und vor allem David Fowler beeindrucken mit infernalischen Gitarren-Soli, während Mike Kidson für die Saxofon-Stücke zuständig ist.
Im Hintergrund sorgen Jason Sawford und Paul Bonney für die Keyboard- und Schlagzeug-Untermalung.
Die drei Background-Sängerinnen glänzen bei "Great Gig in the sky" mit druckvoller Stimme auch im Vordergrund, vor allem Lara Smiles und Lorelei McBroom beeindrucken mit souliger Stimmgewalt. Emily Lynns mehr als lasziver Gesang rundet diesen kleinen musikalischen Höhepunkt schließlich ab.
Aufgeblasene Lehrerpuppe


Passend zum Stück "Another brick in the wall" darf dann auch eine überlebensgroße, mit Luft aufgeblasene Lehrerpuppe nicht fehlen, die streng auf das Publikum herunterschaut.
Und bei allem Mitklatsch- und Mitwipp-Faktor verhehlt auch dieses Stück ein wichtiges Anliegen der Band nicht: Sich eben nicht von Lehrern bevormunden zu lassen, sondern das Weltgeschehen selbst kritisch zu hinterfragen - eine Hymne für die Freiheit des Geistes und für die Menschlichkeit.
So gelingt es den Australiern nicht nur, authentischen Pink Floyd Sound zu präsentieren, sondern auch die Botschaft jener Band, die seit 1994 nicht mehr regelmäßig aufgetreten ist, dem Publikum in Erinnerung zu bringen.
Das dankt es ihnen mit standing ovations, die wiederum mit einer Zugabe des Songs "Run like hell" quittiert wird. Die Fans strömen zur Bühne und tanzen mit: "Renn, wenn du kannst".