Rezension der neuen CD von Elina Garanca: „Sol y Vida“

Neue CD : Eine Reise in den Süden

Die Mezzosopranistin Elina Garanca zählt zweifellos zu den Stars der  musikalischen Klassikszene. Auf ihrem aktuellen Album „Sol y Vida“ bietet die in Spanien lebende Lettin jedoch zum ersten Mal eine CD, die völlig auf das klassische Musikrepertoire verzichtet.

Eine Reise in den Süden – von Spanien über Italien bis hin nach Lateinamerika präsentiert die 43-Jährige stattdessen.

Der Sonne des Südens, dem Strand, dem Meer – und folglich der Lebensfreude, dem „südlichen Laissez-faire“ sind dieses Mal ihre Lieder und Canzonen gewidmet. Sängerisch ist La Garanca in  fantastischer Form und erreicht auch sicher die höchsten Töne  (15, 17). Manche Titel sind jedoch durch Orchester zu sehr „aufgebrezelt“. Dieses Orquesta Filarmonica de Gran Canaria wird von Garančas Gatten Karel Mark Chichon geleitet, der auch die meisten Titel des Albums – oft werden sie ansonsten von Tenören gesungen – neu arrangiert hat. Zu den dargebotenen Liedern gehören zum Beispiel die ,,Hits“ „Granada“ (1) von Agustín Lara oder auch „Gracias a la vida“ (4) des Chilenen Violeta Parra, das hier arrangiert wurde vom ebenfalls an der CD mitwirkenden Gitarristen José María Gallardo del Rey. Von ihm stammt auch das Arrangement des fantastischen „Yo soy María“ (13) des argentinischen Tangokomponisten Astor Piazzolla aus dessen Oper „María de Buenos Aires“. Weitere Schmuckstücke aus Garancas Schatzkästchen des Südens stammen etwa von Carlos Gardel („El días que me quieras“, 16), Francesco Paolo Tosti („Marechiare“, 12) oder auch Ary Barroso („Brazil“, 17).

Mein Favorit: das eher spärlich instrumentierte Traditional „La Llorona“ (2), arrangiert und famos auf der akustischen Gitarre begleitet von Gallardo del Rey. Elina Garanca bietet auf dem Album ­(Gesamtspielzeit: fast 66 Minuten) sowohl wohlige Wärme in den südeuropäischen als auch tänzerisches, folkloristisches Feuer in den südamerikanischen Liedern.

Fazit: Eine Operndiva auf Abwegen. Aber zur Erinnerung an den herrlichen Sommer oder die bevorstehenden Herbstferien ist dieses Album sicherlich die angemessene musikalische Begleitung.

Jörg Lehn

Elina Garanca: „Sol y Vida“, Deutsche Grammophon, 0028948362172 Berlin 2019

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