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Rezension: Tom Hillenbrand und sein Thriller "Montecrypto"

Literatur : Auf Krypto-Schatzsuche

Es scheint, als wolle er seiner Zeit immer ein Stückchen voraus sein: Wer Bücher von Tom Hillenbrand kennt, weiß, dass er gerne brandaktuelle Themen aufgreift und sich mit ein bisschen Recherche nicht zufrieden gibt.

Leicht und simpel – offenbar nicht mit ihm. So ist es auch in seinem neuen Thriller „Montecrypto“, der in die komplexe Welt der Kryptowährungen und in die „Welt der Finanzen und der Geldpolitik“ eintaucht, wie es Hillenbrand selbst am Ende des Buches beschreibt und angibt, dass er sich dafür fachkundige Beratung gesucht hat. Seit er von dem Erben eines Bankhauses gehört habe, dessen gesamtes Vermögen in Kryptowährungen angelegt war, und der nach seinem Tod die zur Entschlüsselung nötigen Passwörter mit ins Grab genommen hat, sei ihm die Idee einer digitalen Schatzsuche nicht mehr aus dem Kopf gegangen … und schon sind wir mitten in der „Montecrypto“-Story:  Der Privatdetektiv Edward Dante soll das verschwundene milliardenschwere Krypto-Vermögen des Start-up-Unternehmers Gregory Hollister finden, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Erst spät erkennt Ed Dante, dass er ein Teilchen eines ausgeklügelten größeren Plans ist, der sogar den Geheimdienst und seltsame Gestalten aufschreckt.

Hillenbrand mag Anspielungen. Alleine der Titel seines Thrillers und der Name des Ermittlers erinnern an den Dumas-Klassiker „Der Graf von Monte Christo“ und sein Ed Dante fragt sich etwa selbstironisch, was wohl Sam Spade, eine Figur Dashiell Hammetts, an seiner Stelle getan hätte. Dante ist nämlich kein strahlender Held, vielmehr weiß er nur zu gut, was Scheitern bedeutet. Ohne die Bloggerin Mercy Mondega wäre er auch nicht weit gekommen, wurschtelt sich vielmehr mit ihrer Hilfe durch den Fall und versucht, die Welt der Bitcoins & Co. zu verstehen.

Dabei lernen er, und wir Leser gleich mit ihm, ihre Mechanismen und verschiedene Gruppierungen kennen. Zum Beispiel diejenigen, die das sogenannte Fiat-Geld abschaffen wollen und alle aus ihren Reihen hassen, die sich der Fiat-Welt anbiedern. Alles hängt mit allem zusammen.

Tom Hillenbrands Beschreibung der New Yorker Wall Street ist so genau, als habe sich der sorgfältige Rechercheur tatsächlich dort umgesehen. Die Sprache des umfangreichen Buchs von 448 Seiten wirkt dagegen eher wie ein Mittel zum Zweck, um das Feuerwerk an Informationen, Details und Anspielungen unter die Leser zu bringen. „Montecrypto“ wird nicht wie sein „Namensgeber“ in die Literaturgeschichte eingehen, ist aber wegen der Begegnung mit der fremden Krypto-Welt und wegen seines sympathischen „Helden“ eine unterhaltsame Urlaubslektüre, wo auch immer.

Birgit Markwitan

Tom Hillenbrand: Montecrypto. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 448 Seiten, 16 Euro.