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Rezension: Trio con brio Copenhagen in Trier

Trier : Im weiten Meer der Gefühle

5. Trierer Kammerkonzert mit dem Trio con brio Copenhagen im Kurfürstlichen Palais

Man ist ja von Beethoven einiges gewohnt, aber so grenzwertig wie der langsame Satz im Klaviertrio op. 70,1, dem „Geistertrio“, ist selten eine Komposition von ihm ausgefallen. Schon die Vortragsbezeichnungen sprechen Bände: „Largo assai ed espressivo“ – frei übersetzt: „so breit und ausdrucksvoll wie möglich“. Und gleich für die ersten Töne der beiden Streicher: „sotto voce“, mit leiser Stimme. Das ist eine Musik für mutige Interpreten, und das Trio con brio aus Kopenhagen bringt diesen Mut auf. Es vertieft sich in das extrem langsame Tempo des Satzes. Es spannt einen weiten Bogen bis zur lapidaren Coda.

Trotzdem: Der Satz zerfällt nicht. Geigerin, Cellistin, aber vor allem der Pianist bauen Schritt für Schritt höchste Spannung auf. Die Klangflächen im Klavier, die extrem kleinen (rhythmischen) Notenwerte, die Tonartwechsel – all das verbindet sich zu einem erstaunlich geschlossenen Resultat. Und wo zunächst noch eine gewisse Nüchternheit dominierte, da stellt sich gegen Satzende tatsächlich das Gefühl des Geisterhaften, des Unheimlichen, des nicht ganz Greifbaren ein.

Wie die Interpreten mit den beiden Ecksätzen des „Geistertrios“ umgingen, ist allerdings ein anderes Thema. Die Gegensätze zwischen ihnen und dem langsamen Satz zu schärfen, ist gewiss legitim. Aber Beethoven gelingt in der Kopfsatz-Durchführung ein Netz von Motivverschränkungen, bei dem die Klavier-Dominanz an diesem Abend nur von Nachteil sein konnte. Da stellt sich rasch der Eindruck von einem anführenden Pianisten und zwei begleitenden Streichern ein. Damit wird Beethovens Musik zu einer Art von akustischem Schwarz-Weiß verkürzt. Anders steht es mit Tschaikowskys Klaviertrio op. 50. Da darf sich der Pianist keinesfalls verstecken, muss Impulse geben, muss Klang produzieren. Und da entwickelten die Musiker des con-brio-Trios jenen groß angelegten, sinfonischen Stil, der einfach zu dieser Komposition gehört. Es ist ein Meer von Gefühlen. Freilich verlor der Streicherklang im Fortissimo an Kultur, und in die furiose Spielweise schlich sich etwas Angestrengtes, Forciertes ein. Wie berückend das Trio musizieren kann, welche Schönheiten und lyrischen Feinheiten ihm zu Gebote stehen, das zeigt sich im folgenden Variationssatz am Thema und den ersten vier Abschnitten. Da entfaltete sich eine nach Innen gekehrte Lyrik. Und man staunt: Wie schön kann diese Musik klingen, wenn sie mit Bedacht und ohne Überanstrengung gespielt wird! Eingeleitet wurde das Konzert mit der „Phantasmagoria“ von Bent Sörensen. Keine Frage: Sörensen, Jahrgang 1958, weiß als Komponist mit Klaviertrios umzugehen. Er verbindet ätherische Glissandi der Streicher und wuchtige Klavier-Schwerpunkte zu teils romantisch-lyrischen, teils expressionistisch grellen Klangmischungen. Die Harmonik freilich bleibt beliebig, pendelt unentschieden zwischen Tonalität und atonaler Schreibweise. Das gibt dem gesamten Werk etwas Vorläufiges, nicht zu Ende Gedachtes mit. – Höflichkeitsbeifall unter den rund 180 Besuchern im Kurfürstlichen Palais für Sörensen, Begeisterung für die Beethoven- und Tschaikowski-Interpretationen.