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Rhythmus bis der Taktstock bricht - St. Petersburger Quartett begeistert

Rhythmus bis der Taktstock bricht - St. Petersburger Quartett begeistert

Erneut hat das Philharmonische Orchester der Stadt Trier unter Victor Puhl ein begeisterndes Weltmusik-Konzert abgeliefert. Zusammen mit dem Terem-Quartet gibt es emotinale russische Musik zu hören, die die 630 Zuschauer von den Sitzen reißt.

Trier. Es ist erfreulich und erstaunlich, wie es Generalmusikdirektor (GMD) Victor Puhl immer wieder gelingt, außergewöhnlich brillante, internationale Künstler verschiedenster Musikrichtungen für die Konzertreihe Weltmusik zu gewinnen. Rappelvoll ist das große Haus auch an diesem Donnerstagabend wieder, als mit dem St. Petersburger Terem-Quartet die russische Seele Einzug hält.
Das Concert Grosso von Nikolai Budaschkin setzt mit seinen filmmusikalischen Sequenzen einen emotionalen Auftakt, in der Tschaikowski-Fantasie hört man mediterrane und südamerikanische Anklänge, und der Walzer von Andreij Petrow beschwingt die Musiker und das Publikum. Überhaupt ist das Spiel auf der Bühne sehr körperlich, Puhl dirigiert wie ein Derwisch, beim sensationellen Flohwalzer vor der Pause zerbricht er gar seinen Taktstock am Pult, macht aber ungerührt weiter. Die vier Musiker spielen furios auf, mal allein, mal begleitet vom Orchester, aber immer eindrucksvoll. Wunderbar, wie sie untereinander, mit Dirigent, Orchester und mit dem Publikum interagieren. Man merkt, dass sie gewöhnt sind, als kleines Ensemble ihr Publikum zu unterhalten und sich zudem freuen, mit einem großen Klangkörper zusammen zu spielen. Ihre russischen Volksinstrumente beherrschen sie virtuos; die der Laute ähnliche Domra klingelt hell oder seufzt tief aus dem Bauch heraus, das Bajan (ein chromatisches Akkordeon) und der Kontrabass setzen klangliche Akzente, die man so selten zu hören bekommt. Vor allem Andreij Smirnow am Bajan entlockt seinem Instrument atemberaubende Sequenzen. Dabei strahlen alle Musiker Freude und Verschmitztheit aus. Hochergreifend wird es nach der Pause bei Terems Spaziergang mit Fellini. Die Arrangements (von Jewgenij Petrow) nach Motiven von Nino Rota gehen unter die Haut. Die Musik gehört sowieso zum Schönsten, was in der Kategorie Filmmusik komponiert wurde, die Interpretationen der Musiker tun da ein Übriges. Die musikalische Karussellfahrt geht weiter, mal mit ganz leisem Hauch, mal mit rockigen Klängen, mal mit St. Petersburger Folklore. Die tiefe Melancholie der russische Seele zeigt sich - durchaus mit einem Augenzwinkern - bei Terems Wintertime-Version von Gershwins "Summertime". Das Publikum erhebt sich wie ein Mann und klatscht frenetisch im Stakkato, Freude und eine gewisse Dankbarkeit sind zu spüren. Als eine der Zugaben gibt es - auch als Ausblick auf das nächste Weltmusik-Konzert zum Thema Tango - dann noch Astor Piazollas Libertango. Ganz großes Theater! DT