1. Region
  2. Kultur

Richard Bier: Wie ein Hochwälder mit dem Bierkapitän zum Star wurde

Kostenpflichtiger Inhalt: Party-Hit : Jetzt erobert er Karneval: Wie ein Hochwälder mit dem „Bierkapitän“ zum Mallorca-Star wurde

Der Bierkapitän. Der wer?! Wie der Hochwälder Patrick Portnicki den Karnevalshit der Saison schrieb. Eine Expedition in die  verrückte Welt des Party-Schlagers.

Na, geht’s am Samstagabend auf die Jück? Oder am Rosenmontag? Wenn ja, dann wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen jemand voller Stolz seinen Bierbauch entgegenstreckt, darauf herumtrommelt und irgendwas von einem Kapitän und Bier grölt. Seien Sie dem Bauch-Trommler nicht böse, er will Sie nicht belästigen. Er kann vermutlich nicht anders. Schieben Sie es auf den Hochwald, denn daher kommt der Verantwortliche für diese Szene.

Der heißt Richard Bier, genannt „der Bierkapitän“. Beides ist nicht sein richtiger Name. Eigentlich heißt er Patrick Portnicki. 2016 hat Portnicki den Hit „der Bierkapitän“ geschrieben – und ist damit auf Mallorca und den Fastnachtsfeten ein Dauerbrenner. Vorab, hier einmal der Refrain zum Mitsingen:

                          •
Hier spricht der Bierkapitän,
Darf ich bitte mal die Bierbäuche sehen?

Wohin es geht, ist scheißegal,

Bier ist international
                             •

Zugegeben, das klingt jetzt nicht sooo kompliziert. Ist es auch nicht. „Für den Text hab ich eine halbe Stunde gebraucht, das war ein Geistesblitz“, sagt der Bierkapitän dem TV. Vor zweieinhalb Jahren ist er nach Hermeskeil in den Hochwald gezogen, mittlerweile wohnt er am Bostalsee. Die Idee zum Song ist allerdings irgendwo zwischen Polen und Aachen entstanden. Denn eigentlich ist der Bierkapitän ein Metal-Kapitän.

Mit seiner Band Start A Revolution ist er 2016 auf Tour, hat einen Auftritt in Polen. Auf der Rückfahrt hören er und seine Kumpels Partyschlager. „Das da kann ich auch“, denkt sich Portnicki. Daheim angekommen schnappt er sich einen Stift, hat einen Geistesblitz und besagte halbe Stunde später einen Hit. Also nicht direkt, denn als Newcomer im Party-Schlager-Business Fuß fassen? Puh, ganz schön schwer.

Als einer der Stars der Szene auf die Idee des Bierkapitäns aufmerksam wird, droht die Idee geklaut zu werden. Portnicki reagiert, kontaktiert seinen Bekannten Markus Becker („Das rote Pferd“). Der findet den Song „scheiße“.

                          •
Ob Meter oder Maß,
Ob Fässchen oder Glas,
Gezapfte Delikatessen

Zum Frühstück, Mittag-, Abendessen
                           •

Das ist allerdings kein Problem, denn Becker fand nach eigener Aussage das rote Pferd am Anfang auch scheiße. Also, was soll’s. Das rote Pferd und der Bierkapitän nehmen den Song auf, der geht 2019 durch die Decke. Mittlerweile hat er sieben Millionen Klicks beim Streaming-Dienst Spotify, Tausende Menschen grölen ihn auf Mallorca. Portnicki sitzt außerdem im Beirat, der das Hermeskeiler Stadtfest organisiert – und tritt prompt selbst auf.

Mittlerweile füllt Portnicki deutschlandweit Hallen. „Der Song fehlt auf keiner Songliste“, sagt der Sänger. „Was im Moment passiert, ist der Wahnsinn.“ Patrick Portnicki erhält seit Wochen „unfassbar viele“ Fotos, auf denen Feierwütige beispielsweise Bierkapitän-Fastnachtswagen bauen. Der Bierkapitän ist eines der meistverkauften Fastnachts-Kostüme 2020.Das Geheimnis des Songs ist (auch) seine Ungebundenheit, denn getrunken wird immer. „Der Titel war zuerst auf Mallorca ein Hit, dann ist er auf Oktoberfesten abgegangen und jetzt im Karneval“, sagt der Bierkapitän.

                           •
Ein Passagier zum Captain:

„Ich dacht‘ ich klopf‘ mal an

Ich hab‘ da eine Frage

Ob man warmes Bier noch trinken kann?“
                           •

Seitdem zeigen überall die Männer ihre Körper-Trommel. „Der Bierbauch ist gesellschaftsfähig geworden“, sagt der Bierkapitän. Etwas, das vorher ein Defizit gewesen sei, sei nun etwas, worauf man „stolz sein könne“. Patrick Portnicki selbst sagt zwar selbst, dass er etwas zugelegt hat, von einem wirklichen Bierbauch kann bei ihm aber nicht die Rede sein.

Der Künstlername Richard Bier ist übrigens auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt 2016 entstanden. Auf der Suche nach einem Namen läuft er an Fahrgeschäften vorbei, auf denen Schauspieler abgebildet sind. Zuerst will er sich „Bierce Brosnan“ nennen, aber die zweite „Richard Bier“ setzt sich durch. Dieser Name steht vor allem an den Fastnachtstagen auf etlichen Plakaten, täglich hat Portnicki Auftritte.

Und das alles nüchtern. Denn der Bierkapitän trinkt selbst nicht. Moment, was?! „Ich war noch nie betrunken. Ich singe Lieder über Bier, für Menschen, die Bier lieben.“

Und die dazu ihren Bierbauch zeigen. Na dann, Prost und Helau!