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Rock-a-Field-Festival in Luxemburg: Ein Herz für viele Stile und ein Fiebertraum mit Pyramidenhut

Rock-a-Field-Festival in Luxemburg: Ein Herz für viele Stile und ein Fiebertraum mit Pyramidenhut

Von Hip Hop über Electroswing und Indierock bis zu brachialem Metal: Das Rock-a-Field-Festival im Süden Luxemburgs schert sich nicht um Genregrenzen. Höhepunkt des Zwei-Tage-Festivals war die fantastisch kranke Dada-Show der Hamburger Combo Deichkind.

Foto: Carolin Hegner/Mandy Radics

Roeser. Ferris MC hat ein riesiges Gehirn, die Windungen glühen rosa in der Dämmerung an diesem lauen Sommerabend in Luxemburg. "Ein bisschen Größenwahnsinn kann nicht schaden, auf einmal können sie fliegen", rappt er. "Denken Sie groß!" Das ist die Devise. Es ist nicht nur ätzende Kritik an den Selbstoptimierern, sondern auch Motto der Deichkind-Show: Größer ist geiler. Ferris ist nur einer der sechs Wahnsinnigen auf der Bühne. Oder wahlweise im Schlauchboot oder im Fass, auf den Händen der Fans - der "Luxis", wie die Hamburger die Feldrocker nennen.

Deichkind - das sind Akrobaten. Rapper, Schauspieler und Entertainer. Prolls und Philosophen in Personalunion. Wem bei der gigantischen Reizflut der Hamburger langweilig wird, der muss wohl tot sein. Der blinkende Pyramidenhut ist dabei nur ein Markenzeichen der Elektro-/Hip-Hop-Combo, die sich ihre vermeintliche Bühnen-Anarchie knallhart durchchoreographiert hat. Knallbunt und mit plakativen Beats. Mit Subtilität ist die Welt ohnehin nicht mehr zu retten. "Die Platte von Deichkind war nicht so mein Ding. Doch ihre Shows sind leider geil", rappen sie. Da dürfte wenig Widerspruch kommen.

Deichkind ist die Band, auf die sich die allermeisten der geschätzt 15 000 Besucher einigen können. Auch wenn den Frankophonen die Texte verborgen bleiben. Die Show war der Höhepunkt am Samstag, der zudem zeigte, wie musikalisch bunt das Festival aufgebaut ist. Da gibt's viel Hip-Hop, etwa auf Luxemburgisch (Freshdax) oder Deutsch (samt guter Stimmung bei Prinz Pi). Auch US-Rapper Tyler the Creator bot eine gute Show und hatte ein paar nette Worte für die Gastgeber (Wo sind wir? Luxemburg? Was ist das?).

Schwieriger hatte es die belgische Indierockband Ghinzu, die vielen im jungen Publikum wohl zu erwachsen daherkam. Musikalischer Ausreißer waren die Briten Bring me the Horizon, die als Metalcore-Band begannen, mittlerweile aber eher als etwas härtere Linkin-Park-Variante auftreten, gefeiert von vielen Fans. Wieder ganz anders: Parov Stelar brachte auf der kleineren Bühne das Publikum mit Elektroswing zum Tanzen. Perfekter Soundtrack zum Sommerabend!

Das Rock-a-Field hat 2006 als ziemlich entspanntes Tages-Festival begonnen. Das änderte sich: In den vergangenen beiden Jahren ging das Festival an drei Tagen über die Bühne. Mit dem aktuellen Konzept, zwei Tage am zweiten Juli-Wochenende, liegen die Veranstalter genau richtig - nicht nur, weil sie im Gegensatz zu den großen Juni-Festivals wie Rock am Ring oder Southside kein Unwetter zu befürchten hatte. Stattdessen gab's Sonne satt - in entsprechender Atmosphäre: Mit großer Chillout-Zone samt Hängematten und einem kleinen Sandstrand neben der zweiten Bühne. Urlaubsstimmung statt Weltuntergang.

Auch am Sonntag ging der bunte Mix weiter, am Nachmittag tanzbar mit Gogol Bordello und Bilderbuch, abends dann mit den Indierock-Veteranen Pixies. Die Zum Abschluss war nach dem EM-Finale DJ Steve Aoki angekündigt.