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Rock am Ring, Lott, Rocco & Co.: Wie coronabedingte Absagen Veranstalter treffen

Kostenpflichtiger Inhalt: Großveranstaltungen : Rock am Ring, Lott, Rocco & Co.: Wie coronabedingte Absagen die Veranstalter treffen

Bis 31. August finden keine Großveranstaltungen in Deutschland statt. Aber was bedeutet das konkret? Wir sprechen mit Betroffenen: Manche trauern, eine atmet auf, einige warten weiter.

Es sind Worte von Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die am Mittwoch Gewissheit liefern sollen: „Es ist vollkommen unrealistisch, dass es bis zum 31. August auch nur eine Großveranstaltung in Deutschland geben wird.“ Traurige Gewissheit, aber Gewissheit. Wegen des Coronavirus finden diesen Sommer keine Großveranstaltungen statt.

Folgendes wissen wir momentan nicht: Was zählt zu Großveranstaltungen? Eine Definition dessen gibt es bislang von der rheinland-pfälzischen Landesregierung nicht – was Veranstalter in der Region kritisieren. Dennoch sagen viele in der Region ihre Events bereits jetzt ab. Der TV hat mit einigen Veranstaltern gesprochen. Gibt es also doch keine Gewissheit?

  • Rock am Ring: Unabhängig von der genauen Regelung, wann ein Event als Großveranstaltung gilt, war nach der Ankündigung von Mittwochabend klar: Rock am Ring wird es in diesem Jahr nicht geben. 90 000 Besucher – mehr Großveranstaltung geht kaum. Am Donnerstag sagte der Veranstalter dann endgültig ab: “Für die Veranstalter und ihre Teams, die Künstler und  Fans ist diese alternativlose Entscheidung natürlich enttäuschend“, gibt der Ring bei Facebook bekannt. Man habe jedoch „uneingeschränktes Verständnis für diese unausweichliche Maßnahme im Interesse der Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten“. Ticketkäufer müssen sich allerdings noch gedulden, die Veranstalter arbeiten an weiteren Schritten. Das nächste Rock am Ring findet damit vom 11. bis 13. Juni 2021 statt.
  • Lott-Festival: Auch das Lott-Festival (31. Juli bis 2. August) in Raversbeuren wird 2020 nicht stattfinden. „Wir sagen die Veranstaltung für diese Jahr ab“, sagt Mit-Veranstalterin Gabi Kremeskötter. Einen Ersatztermin werde es nicht geben, erst 2021 wird wieder gefeiert. Beim Lott-Festival feiern jedes Jahr bis zu 8000 Besucher im Hunsrück. Die staatliche Absage der Veranstaltungen lässt Gabi Kremeskötter aber auch aufatmen: „Wir haben damit gerechnet. Uns wird ein finanzielles Risiko genommen. Da wir als Verein immer nur kostendeckend wirtschaften, sind wir auf die Zuschauerzahl angewiesen.“ Hätte das Event stattgefunden und es wären weniger Besucher gekommen, hätte man Bands dennoch bezahlen müssen und wäre ins finanzielle Risiko gerutscht: „Aber so werden wir das schaffen und die Lott wird weiterleben.“
  • Eifel-Literatur-Festival: 1500 Tickets hatten die Veranstalter des Eifel-Literaturfestivals in anderthalb Tagen für eine Lesung mit Thriller-Autor Sebastian Fitzek (8. Mai) verkauft. Wie Veranstalter Josef Zierdem dem TV mitteilt, wird diese Lesung verschoben. Sie findet nun am 25. September statt, Veranstaltungsort bleibt das Eventum in Wittlich. Die Tickets für die ausverkaufte Veranstaltung behalten für den neuen Termin ihre Gültigkeit.
  • Summerblast-Open-Air: „Ich gehe stark davon aus, dass das Summerblast  (15. August) in diesem Jahr nicht stattfindet“, sagt der Leiter des Exhaus-Kulturbüros Thomas Thiel auf Nachfrage unserer Zeitung. Was für eine hundertprozentige Aussage fehlt, ist die klare Regelung der Landesregierung: „Wir sind momentan mit den Agenturen der Bands im Gespräch, die wollen natürlich auch wissen, ob das Verbot uns betrifft.“ Ob das Open Air, das jährlich über 1000 Hardcore-Fans auf den Vorplatz der Arena lockt, komplett abgesagt oder ins nächste Jahr verschoben wird, kann Thiel noch nicht sagen. Im TV-Interview hatte er schon vergangene Woche gesagt, eine staatliche Absage wäre zwar „keine Vollkatastrophe“, der Finanzplan, der im Insolvenzverfahren aufgestellt wurde, sei aber komplett über den Haufen geworfen.
  • E-Lake: Eine besondere Situation ergibt sich beim E-Lake (7. bis 9. August): Auch wenn viele Besucher aus der Region zum Event pilgern, findet dieses am Echternacher See in Luxemburg statt – oder eben nicht. Denn auch wenn Luxemburg Großveranstaltungen „nur“ bis 31. Juli verbietet, herrscht Ungewissheit: „Wir haben aktuell noch keine endgültige Entscheidung getroffen“, sagt Pressesprecher Jempi Hoffmann, „Die internen Beratungen dauern noch an.“ Ob in Luxemburg auch im August keine Großveranstaltungen stattfinden, kann er momentan schwer abschätzen. Klar ist jedoch: Sollte das E-Lake ausfallen, würde das finanzielle Einbußen bedeuten. „Die finanziellen Probleme müssten wir genau abwägen, sie wären aber wohl erheblich.“ Dennoch geht er davon aus, dass die Zukunft des Festivals gesichert ist.
  • Rocco del Schlacko: „Rocco del Schlacko wird wahrscheinlich dieses Jahr nicht in seine 22. Runde gehen“, verkünden die Veranstalter des Rockfestivals im saarländischen Püttlingen (6. bis 8. August) am Donnerstag auf Facebook. „Wir sind bereit, die Entscheidung von Bund und Land voll mitzutragen – da es wirklich gefährlich ist“, heißt es weiter. Man blicke nach vorne und sei sich sicher, dass es 2021 weitergeht.
  • Konzerte: Schon in den vergangenen Wochen sind viele Konzerte Veranstaltungsverboten zum Opfer gefallen. Das wird bis mindestens Ende August weiter so sein – auch wenn nicht klar ist, welche genau. Denn auch hier gibt es keine klare Regelung, was eine Großveranstaltung ist. Für Christoph Kramp vom regionalen Veranstalter Station K ist das ein Problem: „Wir müssen immer mit Plan A und Plan B rechnen.“ Da seine Veranstaltungen im Normalfall mit etwa 300 Besuchern in anderen Größenordnungen spielen als die Festivals, hat er diese noch nicht abgesagt: „Die Burg-Open-Airs (Tiwayo am 17. Juli, Carrousel am 18. Juli, Anm. der Red.) in Saarburg finden nach aktuellem Stand statt, da wir keine klare Aussage haben, dass sie das nicht dürfen.“ Dennoch warnt er: „Wenn diese stattfinden, weiß ich nicht, wie viele Besucher kommen.“ Ein Ausfall vieler Konzerte im Sommer und dadurch fehlende Einnahmen, hätten auch für Kramp finanzielle Konsequenzen: „Dann geht es ums Überleben der Firma.“ Der Geschäftsführer von Popp Concerts, Oliver Thome, ist zwiegespalten: „Aus Befürchtung ist Gewissheit geworden. Auch wenn man damit rechnet, fühlt es sich trotzdem merkwürdig an, dass Projekte an denen man über ein Jahr gearbeitet hat, nun erst mal hinfällig werden oder verschoben werden müssen.“ Alles andere wäre allerdings kein verantwortungsvolles Handeln: „Die Leute sollen die Konzerte ja auch genießen können.“ Auch er muss die konkreten Anordnungen des Landes abwarten, geht aber davon aus, dass „es alle Veranstaltungen bis Ende August treffen wird.“ Für die Politik zeigt er Verständnis: „Natürlich wäre eine klare Regelung bei der Verkündung wünschenswert. Aber auf allen politischen Ebenen gibt es momentan extrem viele Fragen zu klären. Da sollte man die Solidarität und das Verständnis, dass man für die eigene Situation einfordert, auch gegenüber Anderen aufbringen und sich in Geduld üben.“

Geduld. Vielleicht das Wort der Corona-Krise schlechthin.