Rock-Beben im Exzellenzhaus

Rock-Beben im Exzellenzhaus

Auf dem Festival "Der Bunker bebt" haben am Samstag 16 Trierer Bands gespielt. Rund 600 Besucher waren ins Exzellenzhaus in Trier gekommen, um Rockmusik in ihrer ganzen Bandbreite zu hören.

Trier. Weiße Einmal-Overalls, schwarz und rot geschminkte Gesichter, ein ausgedienter Telefonhörer als Mikrofon, nur mit rotem und blauem Licht angestrahlt. Die drei Musiker der Band Komputer Komputer spielen um Mitternacht als letzte Gruppe im großen Exil, wie der große Kellersaal im Exzellenzhaus genannt wird. Der Name ist Programm, kennzeichnet ihren Musikstil. Elektrosounds durchschneiden die Luft. Dazu die akustisch verfremdete Stimme Jimi Berlins, der in den Telefonhörer singt und einen E-Bass spielt.

Vier Stunden vorher steht das musikalische Gegenkonzept zu Komputer Komputer auf der Bühne: ein Schlagzeuger, zwei Gitarristen, ein Bass und die Sängerin Darina Katsarova. Kaum elektronische Verfremdungen, eine glasklare Stimme, geradliniger Hardrock - das sind die Kennzeichen der Band Black Blossom.

Zwischendurch gibt es leisere Klänge. So treten im Balkensaal mit Feinripp und Neo zwei Bands auf, die deutsche Texte singen. Teils als Übersetzung aus englischsprachigen Rocksongs, teils mit eigenen Texten und Kompositionen.. Thick As A Brick covered als einzige deutsche Band die englische Band Jethro Tull. Ihr Sänger Christoph Trösch und sein Bandkollege Christoph Marx an der Querflöte liefern sich packende, musikalische Duelle.

Voll ist der Balkensaal, als Ganjamba auf die Bühne kommt. Im Hippielook spielen sie lässigen Reggae. Die Zuschauer im Saal tanzen, sind von der Musik begeistert.

Lauter ist es hingegen im kleinen Exil, dem kleinen Konzertsaal im Keller. Die Band Hilfsarbeiter covert hauptsächlich Lieder der Neuen deutschen Welle, aber ohne sich sklavisch an die Vorlagen zu halten. "Diese Musik hat mir sehr gut gefallen", sagt der Kölner Jean-Luc Bouzo, der in Trier studiert.

Das kleine Exil ist der Ort der lauten Töne. Hardrock, Heavy-Metal und Punk lassen hier die Besucher Pogo tanzen, einen Tanzstil aus der Punkbewegung. Während die Moranes, eine Ramones-Tribute Band, im kleinen Exil einheizen, tritt im großen Exil My First Robot auf. Die Band um den Gitarristen und Sänger Jim Feichtner spielt elekronischen Rock. Für ihre Musik gibt es viel Applaus, an der Stimmung im Saal merkt man, dass den Zuhörern gefällt, was sie hören. Auch der "Seniorenteller", den die Band Nanny Goat nach eigener Aussage mit ihrem Alternative-Rock auftischt, schmeckt den Zuhörern. Nach zweijähriger Pause präsentiert die Band sich erstmals mit ihrem neuen Schlagzeuger. Zu Ende geht der Festivalabend nach fünf Stunden Livemusik mit Discjockey Marius, der bis in die frühen Morgenstunden im großen Exil Musik auflegt.

Extra

Das Musik-Festival "Der Bunker bebt" findet seit 1994 jährlich am ersten Samstag im Januar statt. Auf ihm treten Bands auf, die im Ludger-Kern-Haus in Trier proben. Es handelt sich dabei um einen ehemaligen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, von den dort probenden Musikern wird er einfach "Bunker" genannt. Im vergangenen Jahr wurde er umfangreich saniert. So musste beispielsweise die Elektrik komplett erneuert werden. Der Erlös aus dem Festival fließt in den Erhalt dieses Probenhauses. So soll in diesem Jahr auch noch eine Belüftungsanlage ins Gebäude eingebaut werden.

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