Rockmusik - vielschichtig wie ein Gemälde

Trier · Kein "Déjà vu", keine Spaghetti "Carbonara", dafür eine anspruchsvolle Mischung aus Rock, Funk, Reggae, Jazz, Ska und elektronischer Musik: Die vier Trierer Jungs und zwei weitere Musiker von The Stiff haben das Konzept-album "The Spliff Radio Show” von 1980 ausgepackt, angehört und verinnerlicht und spielen die Rockoper am Freitag, 13. März, im Trierer Exhaus.

 Wiedererkannt? The Stiff – Anke Beuth, Michael Kernbach, Wölfi Zähringer, Chris Erbse, Junior Haupers und Ralf Reifenberg (von links) – spielen nicht nur „The Spliff Radio Show“; sie entwickeln auch ein Plakat, das dem originalen Plattencover von 1980 gleicht. Foto: Veranstalter

Wiedererkannt? The Stiff – Anke Beuth, Michael Kernbach, Wölfi Zähringer, Chris Erbse, Junior Haupers und Ralf Reifenberg (von links) – spielen nicht nur „The Spliff Radio Show“; sie entwickeln auch ein Plakat, das dem originalen Plattencover von 1980 gleicht. Foto: Veranstalter

Trier. "Spliff ist besser als viele denken”, begrüßt Ralf Reifenberg die TV-Reporterin im Probekeller im Exhaus. "Die haben auch mehr Hits, als den Leuten bewusst ist." Ihr Album "The Spliff Radio Show" ist ein Meilenstein der deutschen Rockmusikgeschichte, eine Satire auf das Musikgeschäft um den fiktiven Rock-Star Rocko J. Fonzo. Dem durchkonzipierten und hochkomplexen Musikwerk haben sich nun die drei "Guildo Horn und die orthopädischen Strümpfe"-Gründungsmitglieder Michael Kernbach (Bass, Gesang), Ralf Reifenberg (Gesang) und Wolfgang "Wölfi" Zähringer (Drums), Gitarrenheroe Christoph "Junior" Haupers sowie der Gladbacher Keyboarder Chris Erbse und Profisängerin Anke Beuth unter dem Bandnamen The Stiff angenommen.
Die Idee stammt von Kernbach und Haupers. "Wir saßen beim Tefftival zusammen, Weihnachten 2013 und haben uns überlegt, das Spliff-Konzeptalbum auf die Bühne zu bringen." Reifenberg ergänzt: "Wir hatten alle die Schallplatte gehört, und einige waren 1981 beim Auftritt von Spliff in der Europahalle. Wir sind jetzt alle Ü 30 und wollten das Original spielen, bevor wir 50 sind." Was bei allen außer ihm, Jahrgang 1964, hinhaut. "Das ist ein zeitloses deutsches Album", ergänzt Kernbach. "Das kann man sich heute noch anhören."
Allerdings dachten sie: "Wir finden eh keinen Keyboarder", sagt Kernbach. Ein Irrtum. Mit dem Gladbacher Chris Erbse steht ein Virtuose an den Tasten. Erbse, mit 46 Jahren der Jüngste in der Band, kannte das Album nicht. Die anderen sind schon lange Spliff-Fans. "Ich glaube, das ist die einzige deutsche Band, von der ich alle Platten habe", sagt Zähringer; Kernbach und Haupers stimmen ihm zu.
Proben wie bei Kammerorchestern


"Als ich hörte, sie wollen Stücke von Spliff spielen, dachte ich an ‚Carbonara‘", sagt Erbse. "Das Album ‚The Radio Show‘ hat mich überrascht. Ich finde es großartig. Das hat richtig Anspruch und macht richtig Spaß."
Hörbar anspruchsvoll ist nicht nur die Musik, eine rasante Reise durch verschiedene Stile und mit Dissonanzen, die das Zusammenspiel zur Herausforderung machen, sondern auch die Art und Weise, wie die sechs die Stücke aufbereitet haben. "Das war eine Menge Arbeit", sagt Haupers. "Ich habe keine Note im Internet gefunden, nur die Texte." Die vier Instrumentalisten mussten jeden Ton von Platten oder Videos heraushören. Keine einfache Aufgabe bei Stücken, die vor Tempi-, Rhythmus- und Tonartwechseln nur so strotzen. "Das ist wie ein Gemälde", erzählt Reifenberg. "Bei genauem Hinsehen siehst du, dass da über der Farbschicht noch weitere Schichten sind. Das ergibt die Tiefe."
Jeder der sechs Musiker hat für sich seine Parts einstudiert. "Wir proben wie andere Kammerorchester auch", meint Kernbach. "Jetzt sind wir gut vorbereitet und spielen zusammen", ergänzt Reifenberg. Bezüglich der Auftritte sind Kernbach und Co. vorsichtig optimistisch. "Wir spielen erst einmal zwei Shows. Wir wissen ja noch nicht, wie es ankommt." Einen Tag vor dem Trie-rer Gig am Freitag, 13. März, 20 Uhr, im Balkensaal im Exhaus, sind sie zu Gast in der Bonner Harmonie. Was, wenn‘s nicht aufgeht? "Dann gehen wir lecker essen", scherzt Reifenberg. Wenn doch, sind weitere Konzerte nicht ausgeschlossen.
Die Probe überzeugt die Reporterin. Die Spliff Radio Show ist vielschichtige, virtuose Musik auf hohem Niveau, ein Mix verschiedener Stile - und doch irgendwie Spliff. Reifenberg hat für Einsteiger ins Genre noch einen Tipp parat: "Die Leute, die zum Konzert kommen, sollen vorher alle das Album hören. "
Im Vorprogramm spielt die Trierer Band Vandermeer. Karten kosten im Vorverkauf zwölf Euro, an der Abendkasse 15 Euro.

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