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25 Jahre Jubiläumskonzert
Bring me some Water! - Rockröhre Melissa Etheridge feiert mit 800 Fans in Luxemburg (Fotos)

 Melissa Etheridge beim Auftritt im Luxemburger Atelier.    Foto: Mandy Radics
Melissa Etheridge beim Auftritt im Luxemburger Atelier. Foto: Mandy Radics FOTO: TV / Mandy Radics
Luxemburg. Kraftvoll, rauchig, rotzig - das ist die Ausnahmestimme von Melissa Etheridge. Ihr Hit „Like the Way I do“ zeigt nur eine kleine Facette ihres grandiosen Song-Repertoires. Das hat sie, Gott sei dank, bei ihrer 25-Jahre-Yes-I-Am-Jubiläumstour im Luxemburger Atelier dabei. Von Mandy Radics
Mandy Radics

Gleich vorab eine Warnung: Das ist eine Liebeserklärung. Es war irgendwann in den 1990ern. In der Eifel werden in diesen Jahren diese Wahnsinns-Abschlusspartys von Realschulen und Abi-Jahrgängen gefeiert. Mit Doc Martens an den Füßen, karierten Holzfällerhemden um die Hüften und einem feinen Musikgeschmack Richtung Alternative, Rock und Metal tanzen die heute wohl 40 bis 50-Jährigen dort in ihr Leben nach der Schule hinein. Auf Motorradwiesen wie in Bickendorf spielt das mobile Diskoteam Anna's'nas Musik von Rage against the Machine oder Pearl Jam. Als die ersten Klänge dieses Songs ertönen, ist niemand mehr zu halten. Kollektiv tanzen bei Melissa Etheridge's „Like the Way I do“ mehr hunderte Jugendliche ab. Über Jahrzehnte hat sich dieser eine Song immer wieder in die Playlisten von Clubs geschlichen. Noch Jahre später singen viele textfest mit. Ein Ohrwurm eben.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Etheridge ist Nostalgie pur, ein Potpourri bester Jugenderinnerungen und Beweis, dass gute Musik niemals alt wird. Mit ihren 57 Jahren rührt das dreckig-kraftvolle Timbre in ihrer Stimme mit leisen Klängen genauso wie mit rotzigen Rocksongs.

Das Publikum im Atelier in Luxemburg ab Alter 35 plus weiß das zu schätzen. Singt textfest viele Songs, die die Grammy-Gewinnerin vor 25 Jahren rausgebracht hat, mit.

Selbst Nichtfans lassen sich schnell mitreißen vom krachenden Rocksong „All American Girl“ oder dem wunderschön leisen Stück „Talking with my Angels“, das sie ihrem Vater gewidmet hat, der an Krebs gestorben ist. 13 Jahre später erkrankt sie selber an Krebs. „Ich bin jetzt seit 15 Jahren krebsfrei“, verkündet sie stolz. Das Publikum jubelt.

Melissa Etheridge ist bekennende Frauenrechtlerin, outet ich selbst in den 1990ern als lesbisch und lebt mit ihrer Freundin zusammen. Vielfalt ist ihr wichtig, die spiegelt sich auch im Publikum wieder.

Mit sechs Gitarren hantiert die Ikone auf der Bühne. Und sie spielt alle hervorragend. Plötzlich ist sie auf dem Boden, zupft auf Knien ihre Gitarre. Bei „I'm The Only One“ überrascht sie mit einem Mundharmonika-Solo. Mit dem Publikum zusammen nimmt sie ein Selfie-Video auf. Die 800 Fans feiern die Etheridge, die sich auch politisch positioniert: „Amerika hat seinen Verstand verloren“.

Melissa Etheridge im Atelier in Luxemburg FOTO: TV / Mandy Radics

Nach anderthalb Stunden verlässt sie die Bühne. „Oh verdammt, ich schwitze total!“ Logisch, dass das Konzert noch nicht vorbei ist. Mit ihren Super-Hits „Bring me some Water“ und endlich - als Höhepunkt zum Schluss - mit „Like The Way I Do“ lässt sie Erinnerungen wach werden und zeigt gleich noch, dass sie auch Schlagzeug spielen kann.

Ein geniales Konzert, dass seinesgleichen sucht. Zeit, die alten Platten wieder herauszuholen, bis Melissa Etheridge hoffentlich bald wieder ihren Weg nach Luxemburg findet.

Am 12. April kommt übrigens ihr neues Album „The Medicine Show“ auf den Markt, erzählt die hellblonde Powerfrau, die 2019 noch genauso überzeugt wie einst 1994.