Römische Diva trifft Aschenbrödel

Römische Diva trifft Aschenbrödel

Die Inszenierung von Rossinis komischer Oper "La Cenerentola" in Luxemburg ist ein voller Erfolg.

Luxemburg Die erfolgreichste Mezzo-Sopranistin unserer Zeit und ihre Konzerte im Großherzogtum sind eine Geschichte von sensationellen Erfolgen: Dieter Lintz schrieb schon 2010 im TV, dass die Bartoli (mit ihrem Kastraten-Programm "Sacrificio") "die Zuhörer förmlich in einen Rausch gesungen" habe. 2012 riss sie das Publikum mit ihrer barocken "Mission" abermals von den Sitzen und 2015 rettete sie bravourös das Weihnachtskonzert ohne den erkrankten Star-Tenor Rolando Villazón, indem sie kurzerhand das Programm alleine sang und dabei auch anspruchsvollste Tenor-Arien mit ihrem satten Timbre in halsbrecherische, neue Höhen führte.
Das vergisst das dankbare Luxemburger Publikum nicht und so war auch ihr jüngstes Konzert in der Philharmonie im Handumdrehen mit 1500 Zuschauern komplett ausverkauft. Diesmal gibt es Altbekanntes, die "Cenerentola" von Gioacchino Rossini (1792-1868) gibt La Bartoli schon seit über 20 Jahren, es ist ihre erklärte Lieblings-Opernpartie.
Mit mittlerweile 50 Jahren verkörpert die römische Diva das junge Aschenbrödel (Cenere-italienisch für Asche) immer noch mit einer strahlenden Authentizität, Spielfreude und überragender Gesangskultur. Sie hat allerdings angekündigt, dass nun Schluss sein soll mit "Cenerentola".
Schon im ersten von zwei Akten der Opera Buffa seufzen die eleganten Damen und Herren im Publikum vor Ergriffenheit. Dabei kapriziert sich die Inszenierung von Claudia Blersch durchaus auf die komischen und grotesken Elemente der Vorlage, hier - wie angekündigt - von einer konzertanten Aufführung zu sprechen, ist schlicht untertrieben. Allein die aufwendigen Kostüme und das exaltierte Spiel der Protagonisten sind eine Augenweide.
Herrlich, wenn die beiden bösen Stiefschwestern (Sen Guo, Sopran und Irene Friedli, Mezzo-Sopran) in grässlich-schönen Meerjungfrauen- und Pfauenkostümen der Ohnmacht nah sind, weil ihr vermeintlich unscheinbares Schwesterlein dann doch vom Prinzen erwählt wird. Diesen lyrischen Don Ramiro singt der junge Uruguayer Edgardo Rocha mit beispielloser Brillanz, ein solch strahlendes hohes C hat die Philharmonie schon lange nicht mehr gehört.
Das großartige Ensemble hat Bartoli selbst zusammengestellt, der Chor der Oper und die Musiciens du Prince aus Monte Carlo werden beeindruckend stringent dirigiert von Gianluca Capuano. Gesangliche und komödiantische Spitzenklasse sind auch Carlos Chausson (Bass-Bariton) als Vater Don Magnifico und Nicola Alaimo (Bariton) als Diener Dandini. Und die Bartoli? Mühelos erklimmt sie die Gipfel der opulenten Koloraturen, zum Steinerweichen die Partien im Piano. Große Oper, wenn sie in der Rolle bleibt, großes Kino, wenn sie heraustritt und ins Publikum strahlt, als wenn sie sagen wollte: "Seht her, ich bin die Bartoli, niemand kann es besser als ich, ich freue mich und ihr freut euch!" Vero, so wahr!