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56Als Roth die zweite Runde Stubbis geöffnet und verteilt hatte, drehte Faust die inzwischen auf dem Schwenkgrill brutzelnden Steaks mit geübter Hand und setzte sich auf den noch freien Campingstuhl.

Als er anhob, Roth die zweite Geschichte zu erzählen, wurde seine Stimme immer leiser. Natürlich ging es um Petra Haase, diese "bornierte Schlampe", wie er die Frau dieses Mal nannte; die geheimnisvolle Schöne aus dem Porsche von Peter Wilden, der von seinen eigenen Mitarbeitern verraten worden sei, weil man ihn im Unternehmen längst als Ausbeuterschwein enttarnt habe. In Fausts Stimme klang aufrichtige Verbitterung, als er erzählte, wie schnell man zwar im Trierer Landgericht die Beugehaftbeschwerde von Petra Haases Anwälten verworfen habe und damit der Weg frei gewesen sei für den Haftbefehl. "Trotzdemsind wir noch keinen Schritt weiter", seufzte Faust.Denn nach dem Anruf des Leitenden Oberstaatsanwalts hatten Faust und Michels sich mit dem Haftbefehl in der Tasche sofort auf den Weg nach Kronenburg gemacht, wo sie jedoch vor verschlossener Tür landeten. Faust hatte geschimpft und gleich danach eine bundesweite Fahndung veranlasst.Doch es dauerte nicht lange, da meldete sich einer der Anwälte auf dem Polizeirevier an und teilte mit, Petra Haase sei nun zur Aussage bereit.Richter Paul Hermes, alles andere als feige, hatte den Haftbefehl daraufhin unverzüglich aufgehoben, jedoch bereits für vierzehn Uhr einen neuen Vernehmungstermin in Prüm angesetzt.Natürlich war Kommissar Faust sofort dorthin gefahren. Er durfte sogar im Raum bleiben und die Vernehmung begleiten; dieses Mal hatten die Rechtsanwälte keinen Aufstand gemacht.Während das Feuer auf Fausts Grillwiese knisterte und die Männer sich das nächste Bier vorknöpften, erzählte der Kommissar weiter: “Die schöne Wilden-Gespielin sah natürlich wieder tiptop aus. Sie hat Hermes dann vorgegaukelt, sie könne zur Fahrstrecke keine genauen Angaben machen, da sie ortsunkundig sei und zudem auf die Streckenführung nicht geachtet habe„, erzählte Faust. "An irgendein brenzliges Überholmanöver konnte sie sich nicht erinnern. Und einen seitlichen Zusammenstoß mit dem Spiegel an einem entgegenkommendenAuto hat sie schließlich definitiv ausgeschlossen.""Hat sie ihre Aussage beeidet?", fragte Roth, der sich nun schwerfällig aus dem Stuhl hob und auf der Wiese ein wenig auf und ab ging. "Ja, hat sie", erwiderte Faust, der dem Richter bestätigte, alle Register gezogen zu haben. Dann erhob auch er sich aus dem Stuhl, drehte die Steaks, von denen zwei an der heißen Alufolie festgeklebt waren, und verbrannte sich - quasi mit Ansage - die Finger beim Versuch, die angepappten Alu-Teilchen vom Fleisch zu lösen. "Eine einzige Nacht im Kahn, und sie wäre weich gewesen", fuhr es dann aus Faust heraus, dessen Stimme nun ebenso krähend wie entrüstet klang und in der sich sein ganzer Frust zeigte. "Kommt, Jungs. Dann lasst uns den ganzen Mist mal für ein paar heitere Stunden vergessen und zur Tat schreiten", machte Michels dem ländlich-polizeilichen Jammerbild ein Ende. Faust nickte, trottete zur Garage, um Bier und die bereit gestellten Teller zu holen. "Okay, Leute", sagte der Kommissar."Der Herrenabend ist hiermit offiziell eröffnet. Morgen ist auch noch ein Tag."Eine heiße Spur"Was machst du denn schon hier?", fragte Erwin Roth, als er mit noch etwas schläfrigen Augen das Dienstzimmer in der Prümer Polizei-Inspektion betrat. Dort saß Kommissar Faust an seinem Schreibtisch, notierte sich hastig eine Telefonnummer auf einem Zettel, den er von einem bereits reichlich angefingerten Schreibblock gerissen hatte, und vermittelte ansonsten den Eindruck, nicht nur quietschfidel, sondern auch hochmotiviert in den sonnigen Tag gestartet zu sein.Tatsächlich war der gestrige Herrenabend auf der Faust'schen Grill-Wiese - zumindest gemessen am Alkoholgenuss - bei Weitem nicht so opulent ausgefallen, wie man sich das ob der Fülle der vorhandenen Getränke hätte denken können. Fortsetzung folgt.Der Roman "Fluchtwunden" ist in allen TV-Pressecentern für 9,50 Euro erhältlich.