| 18:19 Uhr

Trier
Romantiker mit Wut im Bauch

Konstantin Wecker in der Europahalle Trier.
Konstantin Wecker in der Europahalle Trier. FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Liedermacher Konstantin Wecker in Trier: Ein Abend voller Politik, Liebe und Hoffnung.
Patricia Fee Prechtel

Einen ganzen Abend füllt Liedermacher Konstantin Wecker am Donnerstag in der Europahalle Trier. Und er weiß die Ausdauer seiner begeisterten Zuhörer zu schätzen: „Es ist schon toll für einen Künstler, wenn sein Publikum auch nach drei Stunden noch seinen Gedichten zuhört“, sagt Wecker am Ende seiner Vorstellung und lacht.

In dem Konzert beweist er, dass er  sein Publikum auch mit 71 Jahren begeistern kann. Er reißt es mit – und hält sich mit seiner Meinung nicht zurück. Politik und Liebe stehen im Mittelpunkt an diesem Abend.

Das Konzert beginnt direkt politisch. Mit einer aktuellen Version des „Willy“, sozusagen ein „Willy 2018“, der „erschreckend aktuell“ sei, schmettert der Liedermacher am Klavier. Das Zwiegespräch mit seinem toten Freund führt er seit 40 Jahren, immer wieder aktualisiert.

Er wirkt zornig und verwundert: „Deutschland weint, wenn es im Fußball gegen Mexiko verliert und nimmt es hin, wenn 600 Menschen im Meer ertrinken.“ Er erntet Applaus für seine Aussagen und hat die Hoffnung nicht verloren, denn „die mit dem Herzen denken, sind in der Überzahl“.

„Poesie ist Widerstand“ lautet nicht nur der Titel seines neuen Albums sondern auch die Devise. Denn Poesie könne aus den Herrschenden „was rauslocken, denn Macht macht verrückt“. Mitgefühl und Empathie hätten die Herrschenden abgeschafft, aber gerade das sei momentan notwendig, erzählt der Bayer. Aber Mitgefühl könne man nicht aufteilen „und das gilt auch für Bäume, die aus Habgier abgeholzt werden“. Eine eindeutige Anspielung auf den Hambacher Forst.

Neben der Politik geht es an diesem Abend aber auch um die Liebe. „Ich wollte eigentlich immer Liebeslieder schreiben. Aber dann kam die Wut dazwischen“, erzählt Wecker.

Mit seinem langjährigen Bühnenpartner am Klavier, Jo Barnikel („schon seit 25 Jahren, er ist einfach der Beste!“), ist auch Fany Kammerlander bei seinem aktuellen Trio-Programm dabei. Die Cellistin stand schon mit Deep Purple und Peter Gabriel auf der Bühne. Jetzt spielt – und singt – sie mit Konstantin Wecker. Und ein Ehrengast hat zwei Auftritte an diesem Abend: Pablo Miró, ein argentinischer Liedermacher, singt alleine und im Duett mit Wecker „Gracias  a la vida“.

Wecker erzählt viel Privates, von seinen Eltern, vor allem seinem Vater und seiner guten Beziehung zu ihm und von einer schweren Zeit in seinem Leben: Drogen und einen Gefängnisaufenthalt lässt er nicht aus. Aber neben dem Zorn und dem Thema Liebe zeigt er auch eine andere Seite von sich. Mit „Wehdam“ singt er über bayerischen Blues. Und seinen verstorbenen Freunden Dieter Hildebrandt und Hanns Dieter Hüsch widmet er Lieder.

Wecker ist ein wandelbarer Künstler: Er singt, tanzt und lacht, liest Gedichte und Geschichten vor und hat sichtlich Spaß an dem Abend. Und das kommt an. Das Publikum singt und klatscht mit – und will ihn nicht gehen lassen. Erst nach fünf Zugaben verabschiedet sich der Liedermacher. Und gibt seinen Zuhörern viel Stoff zum Nachdenken mit.