Romantische Werke sind Ersatz für abgesagtes Pfitzner-Konzert

Musik : Statt Pfitzner gibt es Elfentanz und Teufelsspuk

Die Kritik war heftig, Sponsoren fehlten und dann sprangen auch noch die Musiker ab. Dennoch wird es ein Konzert geben: Am 29. September bringt der Trierer Konzertchor statt einer Kantate des umstrittenen Komponisten Hans Pfitzner in Trier romantische Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Franz Liszt zu Gehör. Begraben sind die Pfitzner-Pläne nicht.

Es wäre das umstrittenste Konzert der Trierer Geschichte geworden. Trotz heftiger Kritik und fehlender Sponsoren hatten der Richard-Wagner-Verband Trier-Luxemburg und der Trierer Konzertchor lange an ihrem Plan festgehalten, am 29. September in Trier die Kantate „Von deutscher Seele“ aufzuführen. Der Plan starb erst, als die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bekanntgab, dass sie sich nicht mehr beteiligen will. Grund für die Absage: die antisemitische Haltung des Komponisten Hans Pfitzner, dessen Geburtsjahr sich 2019 zum 150. Mal jährt.

Liebhaber romantischer Musik und Freunde des Konzertchors können sich dennoch auf einen Konzertabend in der ehemaligen Abtei St. Maximin freuen. „Elfentanz und Teufelsspuk“ stehen dort am 29. September ab 17 Uhr auf dem Programm. Zu hören sind  Felix Mendelssohn Bartholdys Bühnenmusik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ für zwei Solistinnen, Robert Schumanns Nachtlied op.108 mit Texten von Friedrich Hebbel für gemischten Chor und Orchester sowie Franz Liszts Faust-Sinfonie in drei Charakterbildern für Tenor, Männerchor und Orchester. Als Solisten sind Susanne Bernhard (Sopran), Marion Eckstein (Alt) und Andreas Post (Tenor) zu hören. Der Trierer Konzertchor und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz musizieren unter der Leitung von Jochen Schaaf.

„Das Konzert vereint ganz Gegensätzliches“, erklärt der auch im Wagner-Verband aktive Trierer Musikprofessor und Komponist Wolfgang Grandjean: die spukhaft irrlichternde Romantik von Mendelssohns Sommernachtstraum, die dunkle, innerliche von Schumanns Nachtlied, sowie die grotesk-fantastische der französischen Romantik in Liszts Faust-Symphonie.

Grandjean vertieft noch, was die Werke so besonders macht: Die Konzert-Ouvertüre sei der Geniestreich des 17-jährigen Mendelssohn. Sie entstand im Sommer 1826 nach der Lektüre der Shakespeare-Komödie bei „herrlichstem Wetter“ im weitläufigen Garten des elterlichen Hauses in der Leipzigerstraße 3 in Berlin. „Die Aura dieses Ortes inspirierte offenbar die zauberhafte Atmosphäre des Werks“, schreibt der Trierer Musikexperte. Die vier „Zauberakkorde“ zu Beginn führten wie ein Portal geradewegs in die Feenmusik der nächtlichen Waldszene. Aus ihr entwickele sich ein Reigen von immer neuen, frischen Melodien.

Aus dem Feenwald Mendelssohns führe Robert Schumanns ernstes „Nachtlied“ (op 108, 1849) in eine Gegenwelt. Schumann male zunächst mit kreisenden und schwellenden Harmonien ein Nachtbild, das zunehmend bedrohliche Züge annimmt. Die chromatische Mollwelt dieses ersten Teils hellt sich jedoch im zweiten auf: Das Schlüsselwort „Schlaf“ werde im Chor von schmerzlich-sanften Dur-Klängen „schützend“ umhüllt.

Der zweite Teil des Konzerts führt dann zur französischen Romantik. 1847 siedelte Liszt von Paris nach Weimar über und übernahm dort das Amt des Hofkapellmeisters. „Anlass für die Komposition der Faust-Symphonie waren die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Großherzogs Carl August von Weimar, der Goethe, Schiller und Herder nach Weimar berufen und seine Residenzstadt zu einem führenden Zentrum des europäischen Geisteslebens gemacht hatte“, schreibt Grandjean. Zum Abschluss dieser Feierlichkeiten, am 5. September 1857, präsentierte Liszt seine „Faust-Symphonie in drei Charakterbildern“ der Protagonisten Faust, Gretchen und Mephisto. Die Karten kosten im Vorverkauf regulär zwischen 19 und 34 Euro, ermäßigt zwischen 9,50 Euro und 17 Euro.

Pfitzner soll, wenn nicht jetzt – in seinem ungefeierten Jubiläumsjahr – dann doch später in Trier zu hören sein. Die Kantate „Von deutscher Seele“ auf Texte von Joseph von Eichendorff für vier Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel wird nach Auskunft des Konzertchors wahrscheinlich am 14. März 2021 in St. Maximin aufgeführt.

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