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Romantischer Zungenschlag

Romantischer Zungenschlag

Mit dem schweizer Organisten Jean-Christophe Geiser wurde die Reihe der sommerlichen Orgelkonzerte in der Konstantin-Basilika beschlossen. Nach acht Veranstaltungen konnten die Organisatoren eine sehr erfreuliche Bilanz ziehen.

Trier. Rundum zufrieden konnte die evangelische Kirchengemeinde Trier und allen voran ihr Kirchenmusiker Martin Bambauer mit dem Verlauf der diesjährigen sommerlichen Orgelkonzerte in der Konstantin-Basilika sein. Regelmäßig waren es in den insgesamt acht Konzerten mehr als 200 Besucher, die sich einfanden. Einige Male waren es so viele, dass die vorbereiteten Programmzettel nicht ausreichend waren. Die Serie war ein deutlicher Beleg dafür, welch großen Stellenwert die Orgelmusik in der Stadt Trier genießt. Kaum eine andere Stadt in der Bundesrepublik schafft es, kontinuierlich so viele Menschen für diese Musikrichtung zu motivieren. Immer wieder erlebte man bei den Gastorganisten erstaunte Gesichter über den guten Besuch und hörte man die Feststellung, dass in der Regel an anderen Orten 50 bis 100 Zuhörer schon als ein großer Erfolg verzeichnet werden. Dagmar Lübking aus Hamburg berichtete gar, dass sie in der großen Michaeliskirche schon Konzerte mit gerade einmal 26 Besuchern erlebt habe. In seiner kurzen Begrüßung zum letzten Konzert bezeichnete Bambauer die Folge als eine Serie von Veranstaltungen mit Programmen, die einerseits der Schuke-Orgel geradezu auf den Leib geschneidert waren, andererseits aber auch versuchten, immer wieder die Grenzen des Machbaren an diesem letztendlich doch relativ kleinen Instrument neu auszuloten. Und tatsächlich konnte man in diesem Jahr, wie sonst selten, gegensätzliche Musik erleben. Thomas Heywood aus Australien interpretierte Opernouvertüren und Symphonietranskriptionen, während Lübking ein Programm spielte, bei dem Johann Sebastian Bach der jüngste Komponist war (der TV berichtete über beide Konzerte). Für das Finale hatte Bambauer den Titularorganisten der Kathedrale in Lausanne, Jean-Christophe Geiser, eingeladen. Dieser wandte sich im ersten Teil des Abends nur dem Bachschen Orgelwerk zu, um dann zu französischen Komponisten mit romantischem Zungenschlag zu wechseln. Den Auftakt bildete mit Präludium und Fuge e-Moll, BWV 548, eines der beeindruckendsten und kunstvollsten Werke des Thomaskantors. In diesem in sich geschlossenen, schon ans Monumentale grenzende musikalischen Kosmos zeigte sich Geiser als ein großer Techniker, der in aber auch, teilweise selbstverschuldet, an seine Grenzen führte. So nahm er dem sarabandenartigen Präludium durch ein unnötig schnelles Tempo etwas das Majestätische und brachte sich selbst an manchen Stellen auch in der Fuge unnötig in Probleme.Durchaus für romantische Musik geeignet

Bambauer hat schon häufig an seiner Orgel belegt, wie sehr sie durchaus auch für romantische Musik geeignet ist. Geisers Interpretationen dieses Genres, zu dem er nach der Partita "O Gott, du frommer Gott" (BWV 767) und dem Concerto a-Moll (BWV 593) wechselte, zeigte auf, wie schwierig es auch ist, diese Klangwelt wirklich überzeugend darzustellen. Technisch gab es an "Prélude funèbre" von Joseph Guy Ropartz und dem berühmten "Carillon de Westminster" von Louis Vierne nichts auszusetzen. Die dynamischen Spannungen aber verfehlte er überwiegend. Hier hätte eine intensivere Erforschung des Klangpotenzials der Basilikaorgel Abhilfe schaffen können. Trotzdem war der lange und herzliche Schlussapplaus nicht unberechtigt. Eine Fortsetzung der Trierer Orgelkonzerte gibt es acht Mal ab kommenden Samstag mit der Serie "Musik aus dem Schwalbennest" jeweils um 11.30 Uhr im Trierer Dom.